Mi., 19.10.2016

Volleyball: Bundesliga USC-Kapitänin Schwertmann im Interview: „Gar keine Bedenken im Zuspiel“

Eine Instanz am Netz: Leonie Schwertmann (l.) gehört beim USC nicht nur zu den uneingeschränkten Leistungsträgerinnen, sondern hat auch neben dem Platz mehr und mehr an Verantwortung übernommen.

Eine Instanz am Netz: Leonie Schwertmann (l.) gehört beim USC nicht nur zu den uneingeschränkten Leistungsträgerinnen, sondern hat auch neben dem Platz mehr und mehr an Verantwortung übernommen. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Am Netz ist sie eine Konstante. Und wenn es darum geht, die Kolleginnen zu pushen, ebenfalls. Leonie Schwertmann ist beim USC Münster kaum mehr wegzudenken. Vor dem Beginn der neuen Saison stellte sich die Kapitänin zum Gespräch.

Leonie Schwertmann geht in ihre zweite Saison als Kapitänin des USC Münster. Die 22-Jährige teilt sich intern den Posten mit der erfahrenen Libera Linda Dörendahl, die aufgrund ihrer Position nicht offiziell Spielführerin sein darf. Im Interview mit unserem Redakteur Thomas Rellmann spricht die Mittelblockerin kurz vor dem Saisonstart gegen Allianz MTV Stuttgart (Sonntag, 14.30 Uhr) über den Umbruch, neue Abläufe, die Saisonziele und ihren Umgang mit Verantwortung.

Die Vorbereitungsergebnisse waren gut – wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Schwertmann: Man muss die Resultate etwas relativieren, weil wir nicht die stärksten Gegner hatte. Aber Siege geben ein gutes Gefühl, vor allem wenn so viele Neue dabei sind. Dann bestärken Erfolgserlebnisse. Der Tiebreak-Sieg gegen Vilsbiburg in Dippoldiswalde war vielleicht das aussagekräftigste Spiel. Das ist ein Team, das nah an uns dran war in der Vorsaison, jetzt aufgerüstet hat und nahezu komplett war. Wir haben gezeigt, dass wir da bestehen können. Und: So eine Partie schweißt auch zusammen.

Sind sie also schon eine Einheit oder braucht es Zeit, wenn die Hälfte der Mannschaft neu ist?

Schwertmann: Es trifft beides zu. Es ist immer schwierig, wenn verschiedene Volleyball-Mentalitäten zusammenkommen und auf einen Standard gebracht werden müssen. Aber wir haben die vergangenen Monate intensiv genutzt und das Maximum gemacht, was in unseren Händen lag. Jetzt warten wir mal, wie das vor Publikum läuft. Wir Etablierten kennen das, für viele ist die Kulisse in Münster aber noch ungewohnt.

Inwiefern hat sich der Stil Ihres Teams durch die Neuen verändert?

Schwertmann: Natürlich schon ein wenig. Mit Hanna Orthmann und Bogdana Anisova haben wir jetzt zwei große Außenangreiferinnen und damit viel Durchschlagskraft am Netz.

Und vor allem sind zwei neue Stellerinnen da...

Schwertmann: Ja, die drücken unserem Spiel natürlich erst recht ihre Handschrift auf. Britt Bongaerts ist durch ihre Größe stark am Netz und im Block, das ist wichtig gegen große Außenangreiferinnen. Kaisa Alanko ist schon sehr erfahren und super schnell – und am Netz stark, obwohl sie eher klein ist. Sie findet immer Lösungen. Mit beiden hat es auf Anhieb gut funktioniert, auch die Schnellangriffe klappen bereits. Für das Zuspiel als Schlüsselposition habe ich wirklich überhaupt keine Bedenken.

Die ersten Liga-Gegner heißen Stuttgart, Dresden, Wiesbaden, Potsdam, Vilsbiburg, dazu Wiesbaden auch im Pokal – das klingt nach einem hammerharten Auftakt. Ist das ein Vorteil oder Nachteil?

Schwertmann: Ich habe nur den 23. Oktober und Stuttgart im Kopf. Und das wird super schwer. Ich habe die Mannschaft am Wochenende in Berlin beim Supercup gesehen. Die ist gegen uns definitiv Favorit. Aber der Saisonauftakt hat eigene Gesetze, und wenn man sie schlagen kann, dann am Anfang. Ich denke, wir sind weiter ein Überraschungsteam, das enge Situationen bewältigen kann und nach wie vor sehr emotional ist. Das haben wir uns trotz des Umbruchs bewahrt. Ich bin gespannt auf die Zuschauerzahl und hoffe, dass das Publikum uns beflügelt.

2:3-Niederlage in Schwerin

Auch am Mittwoch legten die USC-Spielerinnen eine Sonderschicht mit Blick auf den Saisonstart gegen Stuttgart ein und bestritten ein weiteres Spiel gegen den Schweriner SC. Der Liga-Konkurrent gewann, nachdem das erste Sparring am Dienstagabend noch mit 4:0 an den Gastgeber gegangen war, nun mit 3:2. „Das war schon deutlich besser als tags zuvor“, kommentierte USC-Trainer Andreas Vollmer den Auftritt seines Teams, das die zuvor erkannten Defizite schnell ablegen konnte.

Wie schätzen Sie kurz vor dem Saisonbeginn die Liga insgesamt ein?

Schwertmann: Dresden ist als Meister etwas schwächer geworden, aber weiter in den Top drei zu sehen. Andere Vereine hatten auch zahlreiche Wechsel, aber viele haben eine Medaille als Ziel ausgegeben.

Und wo findet sich in diesem Kreis der USC?

Schwertmann: Es ist nicht leicht zu spekulieren. Unser erstes Ziel ist die direkte Playoff-Qualifikation. Aber es wird auch schwieriger als im Vorjahr, wir hatten ja auch starke Abgänge. Also erstmal lieber tiefstapeln.

Wie bewerten Sie, gerade bei der Anzahl an Zugängen, Ihre Kapitänsrolle?

Schwertmann: In der Vorbereitung hat sich ja herauskristallisiert, dass Linda, Ines Bathen, Sina Fuchs und ich die Aufgabe der Integration pflegen. Ich habe viel Verantwortung bekommen und stehe dazu. Die Rolle hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Ich bin auf dem Feld ein emotionaler Typ und will Leistungsträgerin bleiben.



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