Mi., 11.10.2017

Volleyball: 1. Damen-Bundesliga Kurz vor dem Saisonstart sucht die VBL noch immer Zentralvermarkter

Die Frauen des Schweriner SC gewannen unlängst den Supercup. Über 5000 Zuschauer schauten ihnen in Hannover zu. Es gibt eine Nachfrage für Volleyball im Land, aber noch immer keinen Durchbruch in der Zentralvermarktung.

Die Frauen des Schweriner SC gewannen unlängst den Supercup. Über 5000 Zuschauer schauten ihnen in Hannover zu. Es gibt eine Nachfrage für Volleyball im Land, aber noch immer keinen Durchbruch in der Zentralvermarktung. Foto: dpa

Münster - 

Ein Masterplan sollte die Volleyball-Bundesligen attraktiver machen. Doch so richtig vorangekommen sind die Verantwortlichen noch nicht. Kurz vor dem Saisonstart der Frauen-Eliteklasse – der USC Münster beginnt am Sonntag gegen SW Erfurt – am Wochenende fehlt noch immer ein Zentralvermarkter.

Von Wilfried Sprenger

Raus aus dem Mief kleiner Turn- und Sporthallen, hin zu vorzeigbaren Arenen, zu mehr Struktur, zu mehr Professionalität. Als die Volleyball-Bundesligisten 2014 den so genannten Masterplan verabschiedeten, taten sie dies mit sehr großer Mehrheit, fast alle hatten sich inspirieren lassen und dachten plötzlich groß. Vorbereitet worden waren die Dinge im Berliner Center der Volleyball-Bundesliga (VBL). Die Ligavertretung steuerte fortan auch die Vorhaben. Vor vier Monaten nun wurde das Leitbild der Liga aktualisiert und erneut verabschiedet. Es gebe keine Alternative zu diesem Weg, hieß es. Dabei sind längst nicht alle zufrieden mit der Drei-Jahres-Bilanz.

Bereits über eine Million Euro haben die Erst- und Zweitligisten in das ehrgeizige Projekt investiert. Im VBL-Center versprachen sie Rückzahlungen, sobald ein Zentralvermarkter gefunden sei. Der ist bis heute nicht aufgetan. Dabei hatte VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung dem „Deutschlandfunk“ im Januar noch gesagt: „Ich verstehe, dass der eine oder andere unruhig wird. Jetzt muss abgeliefert werden – und da sind wir vom Center, vom Vorstand, ganz klar gefordert.“

Man kann der VBL nicht vorwerfen, untätig gewesen zu sein. Über ein halbes Jahr beschäftigte sie eine externe Agentur mit der Sache. „Im Ergebnis war sie nicht erfolgreich“, räumt der kommissarische Pressesprecher Daniel Sattler ein. Viel Geld ging nicht verloren, die Agentur habe auf Provisionsbasis gearbeitet.

Drei Fragen an Axel Büring, Sportlicher Leiter des USC

Wie hat sich der USC bei der Abstimmung über die Verlängerung des Masterplans verhalten?

Axel Büring: Wir haben zugestimmt, wie fast alle anderen Vereine auch.

 

Warum?

Büring: Es gab und gibt im Plan zwar einige Dinge, die diskutabel sind. Doch grundsätzlich sind wir von der Idee, unseren Sport an der Spitze besser zu strukturieren und weiter zu professionalisieren überzeugt. Wir glauben, dass dies der richtige Weg ist.

 

TV-Sender Sport 1 überträgt in der Hinrunde zehn Spiele der Frauen-Bundesliga live. Der USC ist dabei nicht vertreten. Wie sehen Sie das?

Büring: Das wollen wir natürlich ändern. Voraussetzung dafür wird Erfolg sein. Und attraktiv müssen wir auch spielen. Dazu ist es natürlich wichtig, dass die Volleyball-Fans das Angebot von Sport 1 auch annehmen.

In diesem Sommer hat die VBL die Strategie geändert. Mit einer Stärkung der eigenen Vermarktungskompetenz und in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) soll nun die Frage der Zentralvermarktung gelöst werden. Im Juni 2018 wollen die Partner am Ziel sein und fortan Mehreinnahmen generieren. Genau darauf warten viele Clubs, auch der USC Münster, sie wünschen sich eine Refinanzierung ihrer Masterplan-Einlagen.

Auf anderen Ebenen verzeichnete die VBL seit Einführung des Masterplans durchaus Erfolge. Im Zeitraum von vier Jahren steigerte sie die TV-Reichweite um 62 Prozent, im öffentlich-rechtlichen Bereich sogar um 74 Prozent. Flaggschiff bleibt die Frauen-Bundesliga mit einer Umsatzsteigerung von 23 Prozent in vier Spielzeiten. Sattler: „Damit haben die Frauen die Männer überholt.“ Darüber hinaus wird in den Damen-Clubs offenbar besser und erfolgreicher gewirtschaftet. Mehrere Herren-Erstligisten mussten in der Vergangenheit in die Insolvenz. „In der Frauen-Liga“, sagt Sattler, „haben inzwischen alle Vereine ein anständiges Budget von mindestens 450 000 Euro.“ Da breche nichts weg, zudem habe die Liga eine „hohe Leistungsdichte. Das ist doch gut.“ Nicht gut ist, dass sich kein Zweitligist mehr den Sprung zutraut und es im Oberhaus somit keinen Abstiegskampf gibt. Sattler: „Das ist tatsächlich ein Problem.“ Freilich nur ein kleines mit Blick auf die immer noch fehlende Zen­tralvermarktung.



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