MÜNSTER Der neutrale Beobachter sah ein Derby mit Herzblut und heißen Zweikämpfen. Der Fan des TuS Hiltrup sah ein Match mit vielen Emotionen und Happy End. Und der Anhänger des BSV Roxel sah ein Spiel der verpassten Chance und Bigpoints. Kurzum: Der 2:1 (0:1)-Sieg des Titelaspiranten beim westlichen Stadtnachbarn bot jede Menge Stoff plus die Rückkehr der Gäste an die Tabellenspitze.Von Thomas Rellmann
«
1/1
»
Roxels Alexander Kouzmine (l.) gegen Hiltrups Tim Hagedorn. (Foto: Witte)
Die personell so arg gebeutelten Hiltruper traten mit einer Not-Mannschaft an. Erst eine Korrektur in der Pause ebnete dem Team den Weg zurück in die Spur und letztlich auch wieder auf Platz eins. Denn der SC Münster 08 gewann sensationell bei Viktoria Heiden und verschaffte dem Nachbarn so wieder ein kleines Polster. Für den BSV bleibt es dagegen eng im Keller. Mit einer Leistung wie in der ersten Hälfte haben die Kleeblätter dort aber eigentlich nichts verloren.
Zwar besaß der TuS durch Matthias Gerigk (10.) sowie einen Kopfball von Holger Heppe (11.) an die eigene Latte die ersten Chance. Doch dann kam die Phase, in der die Roxeler, speziell Alexander Kouzmine, aufdrehten. Der Stürmer war zwei Mal nahe dran am 1:0 (14./15.), bereitete es dann aber vor. Seine Flanke köpfte Max Riepenhof mustergültig und völlig freistehend in den Winkel (18.). Wieder Kouzmine (26.) und Dennis Lahutta (30.) hätten sogar erhöhen können. Einzig Hiltrups Keeper Lennart Lüke wirkte wach. Im Spielaufbau gab’s große Schwierigkeiten, die Viererkette konnte ja ohnehin nicht abgestimmt sein. Nur einmal versprühte der TuS Gefahr, als Whitson, von Ulrich Kockmann bedient, an Colin Schulz scheiterte und den Abpraller übers Tor schob (32.).
Castro und Stöpel raus
Also suchte Co-Trainer Frank Plagge, der den privat verhinderten Thomas Fuchtmann vertrat, das Risiko in der Pause. Er nahm die blassen Diogo Castro und Peter Stöpel raus und brachte die A-Junioren Frederic Böhmer und Daniel Ziegner, die fortan eine fehlerlose Innenverteidigung bildeten. Dafür rückten Sven Kleine-Wilke und Tim Hagedorn aus dem Abwehrzentrum ins angestammte Mittelfeld vor. Auch dieser Schachzug saß, gerade Hagedorn kurbelte nach dem Wechsel immer wieder dynamisch das Geschehen an. Robin Paton (59.) gab mit seiner Direktabnahme, die Schulz entschärfte, das Signal zur Aufholjagd. Als Lüke einen Freistoß des eingewechselten Dirk Marquardt übers Lattenkreuz lenkte (67.), begannen die entscheidenden Minuten. Wenig später schickte Andreas Fröbel seinen Kollegen Matthias Gerigk präzise auf die Reise. Der nahm Anlauf, zog von rechts nach innen, düpierte zwei Verteidiger und schob zum 1:1 (69.) ein. Damit aber nicht genug: Hagedorn tankte sich rechts durch, seine Hereingabe landete über Roxeler Abwehrbeine, bei Kockmann, der aus kurzer Distanz das 2:1 (72.) erzielte.
Perfekter Tag für den TuS
Vielleicht war der BSV nach der Pause zu passiv, vielleicht war die Zuordnung im Mittelfeld nicht mehr so griffig wie zuvor. Als das Team plötzlich in Rückstand lag, warf es nochmal soviel eben ging, nach vorn. Vergeblich. Ein Kopfball von Claus Plischek nach Ablage des eingewechselten Fabian Frönd ging einige Zentimeter übers Tor (88.) – es war die letzte Chance.
Obwohl neun Stammkräfte, die meisten aus der Defensive, ausfielen und etwa Hagedorn leicht angeschlagen ins Spiel ging, nahm Hiltrup diese wichtigen Zähler mit und liegt nun wieder voll auf Titelkurs. Entsprechend laut und ausgelassen wurde es unter erschwerten Bedingungen, als der Abpfiff ertönte und fast zeitgleich der Heidener Patzer die Boxen der Roxeler Sprechanlage verließ. Ein Tag wie gemalt für TuS.
-----------------------
BSV: Schulz - Küpper, Seeger (86. Welke), Heppe - Beyer, Albers - Dransmann, Riepenhof (46. Marquardt), Plischek - Kouzminie, Lahutta (72. Frönd)
TuS: Lüke - Stöpel (46. Böhmer), Hagedorn, Kleine-Wilke, Lambert - Fröbel, Paton - Whitson, Castro (46. Ziegner) - Gerigk (90. Schunke), Kockmann
Tore: 1:0 Riepenhof (18.), 1:1 Gerigk (69.), 1:2 Kockmann (72.)