BORGHORST Eine Viertelstunde vor Schluss winkte Preußen-Trainer Roland Westers Außenstürmer Sinan Celik zu sich an die Seitenlinie. Der Coach überreichte seinem Spieler einen Zettel. Mit dem Schriftstück in der Hand eilte Celik zurück aufs Feld.Von Marius Holthaus
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Matthias Kappelhoff-Rickert (r.) erzielte Borghorsts 1:1-Ausgleich per Elfmeter selbst und bereitete das 2:2 vor. (Foto: Marius Holthaus)
Zu diesem Zeitpunkt lagen die Borghorster gegen Coesfeld noch 1:2 hinten. Einige Minuten später bejubelten sie einen 3:2-Erfolg und damit das Ende ihrer langen Durststrecke. Die auf dem Zettel notierte taktische Umstellung hatte es gebracht.
SCP ideenlos und statisch
Denkbar wenig hingegen brachten Borghorsts Bemühungen zu Beginn der Partie. Die neu eingeführte Viererkette ließ zwar in der gesamten Partie wenig zu, auch deshalb, weil die Gäste aus Coesfeld sich nur behutsam nach vorne wagten. Doch mit der tief stehenden Eintracht taten sich die Preußen offensiv schwer. Ihr Spiel war zu statisch. Und ihre einzige Idee bestand darin, mit langen Bällen auf die Außen Land zu gewinnen. Ein Versuch nach dem anderen verpuffte. Es wurde erst besser, als der SCP nach einer halben Stunde begann, auf spielerische Mittel zu setzen. Zu dem Zeitpunkt führte Coesfeld bereits: Bei einer Ecke war Preußens Abwehr schlecht sortiert und Tobias Hüwe zur Stelle (10.).
1:1 aus dem Nichts
Preußens Antwort kam aus dem Nichts. Jannick Hagedorn nahm es mit Coesfelds halber Abwehr auf und fiel. Elfmeter! War der berechtigt? „Ich selbst war zwar nicht beteiligt, aber ich habe es knallen hören. Ein Elfmeter war das auf jeden Fall“, gab Coesfelds Kapitän Christoph Lütke Bitter fair zu. Matthias Kappelhoff-Rickert verwandelte zum 1:1 (32.). Mit etwas Glück hätte der SCP durch Chancen von Matthias Brüggemann und Celik eine 2:1-Führung mit in die Kabine nehmen können. Aus der kamen sie schlafmützig zurück. Coesfelds Marius Borgert spazierte an drei Preußen vorbei, passte quer zu Jens Paas, dessen Flachschuss an SCP-Keeper Sebastian Donaszewski vorbei zum 1:2 einschlug (47.). Fünf Minuten später vergab Brüggemann die dicke Ausgleichchance, als er nach Doppelpass mit Hagedorn die Kugel daneben zimmerte.
Jetzt griff SCP-Coach Westers entscheidend ein. Er brachte zwei neue Leute, deren Namen später in der Torschützenliste auftauchen sollten. Zunächst Maxi Langer für Brüggemann. Später musste auch Aktivposten Hagedorn (Westers: „Seine Kräfte haben nachgelassen“) für Thomas Grabowski (hatte Trainingsrückstand) weichen. Und dann drückte Westers Celik den Jens-Lehmann-Gedächtnis-Zettel in die Hand. Der Offensivmann teilte seinen Nebenleuten ihre neuen Aufgaben mit. Zusammengefasst hieß das: Attacke!
Mit Wut im Bauch
84. Minute: Kappelhoff-Rickert behauptete sich am Fünfmeterraum, gab die Kugel nach innen, wo Maxi Langer sie aus vollem Lauf ins Netz drosch. In dem Pfund steckte wohl auch Wut, weil er lange auf der Bank schmoren musste. Grabowskis 3:2 fiel nach ähnlichem Muster (87.), diesmal hatte Celik serviert. Zwischen diesen beiden Treffern köpfte Coesfelds Christian Drees unbedrängt aus sechs Metern daneben (86.). Ihn hatte in dieser Szene kein Preuße auf dem Zettel.