Strawinskys Ballett "Petruschka": Schüler lassen die gefährlichen Puppen tanzen

MÜNSTER Was für eine akustische Achterbahn! Während sich die jungen Balletttänzer in der Turnhalle der Waldschule aufwärmen, erklingt entspannte Popmusik, Köpfe und Arme wogen zu afrikanischen Rhythmen hin und her. Doch dann – Strawinsky!

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  • Choreograf Mohan C. Thomas (vorn) springt im Eifer des Gefechts auch selbst auf die Tanzfläche.

    Choreograf Mohan C. Thomas (vorn) springt im Eifer des Gefechts auch selbst auf die Tanzfläche. Foto: Manuel Jennen

  • Beim Aufwärmen erklingt noch entspannte Popmusik.

    Beim Aufwärmen erklingt noch entspannte Popmusik. Foto: Manuel Jennen

Acht- bis Zehntklässler der Waldschule, der Geistschule, des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und der Münsterlandschule proben Igor Strawinskys Ballett „Petruschka“. Schüler der Realschule im Kreuzviertel bauen das Bühnenbild, und das Gymnasium Wolbeck steuert die Bühnen-Fotografen bei. Die Aufführungen mit dem Sinfonieorchester sind am 23. und 25. Juni im Stadttheater.

Aber gefällt den Teenagern von heute diese Musik? Dieses wilde, atonale Orchester-Gewitter? Bei „Deutschland sucht den Superstar“ war Strawinksy nie zu hören. Doch die jungen Leute sitzen lächelnd auf dem Boden und rufen im Chor: „Jaaaa, das gefällt uns!“ Dirigent Fabrizio Ventura ruft zurück: „Bravo, ihr seid fantastisch!“

Natürlich hilft der Tanz, um die Musik zu verstehen. „Petruschka“ handelt von Puppen auf einem Jahrmarkt, denen ein magischer Gaukler Leben eingehaucht hat. Der hässliche Petruschka liebt die schöne Ballerina, doch die hat sich einen weit prächtigeren Galan ausgesucht. Das Eifersuchtsdrama endet tödlich.

Wie die Profis

Und wie die Schüler das tanzen können! Schon beim Aufwärmen machen viele Jungs und Mädels mal eben einen Handstand. Bei den Szenen auf dem Jahrmarkt ist ihre physische Präsent beeindruckend. Die feiernde Masse, ihre latente Aggressivität, das staksige Spiel der Puppen, die erotischen Spannungen, all das ist zu sehen und zu spüren. Die Jungen heben ihre Partnerinnen mühelos in die Luft, die Schrittfolgen sitzen vermutlich viel sicherer als die Kurven im Mathematikunterricht.

Der Magier, der in Münster die Puppen tanzen lässt, ist Mohan C. Thomas. Der Essener Choreograf lauert am Rand und feuert die Schüler an. Er hat sogar Tipps für den Umgang mit der Presse parat: „Nicht beim Tanzen in die Kamera schauen!“

Vorbild Berlin

Thomas und Dirigent Ventura haben sich für Münsters „Jugend-Tanz-Projekt“ von Sir Simon Rattle inspirieren lassen. Der Chef der Berliner Philharmoniker startete 2003 ein ähnliches Projekt mit dem Titel „Rhythm is it“. Auch in Berlin stand damals Strawinsky auf dem Programm: „Le Sacre du Printemps“. 2006 brachte Mohan C. Thomas dann in Münster Ravels „Bolero“ auf die Bühne und hatte Riesenerfolg.

Den wollen die Schüler nun wiederholen. Der Choreograf vertraut seinen Schützlingen voll und ganz: „Das sind verrückte Kids, die sind gut drauf.“
 
Aufführungen am 23. und 25. Juni (Sa/Mo) um 19.30 Uhr im Großen Haus, Karten: Telefon (02 51) 59 09-100.
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Autor
Manuel Jennen
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    12. Juni 2012, 18:34 Uhr
    Aktualisiert:
    12. Juni 2012, 18:41 Uhr