Mendelssohns Oratorium "Elias" als Oper in Dortmund: Der Traum vom Erfolg

DORTMUND Es ist der Traum eines jeden Pastors: Da steht das Volk von heute, inklusive BVB-Fan, Müllmann, Krankenschwester und Punk und ruft "Hilf, Herr!" und ist ganz fromm. Und es ist der Traum eines jeden Politikers, dass ein Staatschef ein Volk so manipulieren kann, dass es ihm bedingungslos glaubt und folgt.

  • Ein starkes Bild: Elias (Christian Sist) rettet das Kind der Witwe (Julia Amos) auf der Intensivstation.

    Ein starkes Bild: Elias (Christian Sist) rettet das Kind der Witwe (Julia Amos) auf der Intensivstation. Foto: Laryea

Der "Elias", das Oratorium von Mendelssohn, den der Dortmunder Opernintendant Jens-Daniel Herzog als Oper inszeniert, hat etwas von beidem. Und er hat starke Bilder, aber auch Szenen, an denen man zweifelt. Dennoch feierte das Premierenpublikum, zu dem auch Pastoren, Kirchenmusiker und Chorsänger gehörten, die man seltener in der Oper sieht, die schon im Vorfeld von Diskussionen begleitete Inszenierung am Samstag im Dortmunder Opernhaus einhellig stehend mit Ovationen. Zu Recht.

Herzog zeigt das Volk Israel, die Baalspriesterschaft und den Chor der Seraphim als ein Volk von heute (Kostüme und Bühne: Mathis Neidhardt). Dem Volk nimmt man seine Frömmigkeit nicht ganz ab, obwohl erschütternde Ereignisse die Menschen immer in Kirchen gezogen haben.

Starke Bilder

Starke Bilder hat die Inszenierung wie Elias' Wunderheilung des Kindes auf der Intensivstation. Die Eindringlichkeit und Dramatik der Szene vermittelt die Bühne besser als das Oratorium in der Kirche. Auch die Szene, in der das Kind auf einer Leiter den Regen nahen sieht. Dass dieses Volk Dürre plagt, ist weniger glaubhaft, mehr ein Bild, das jedoch Brüche schafft zwischen Text und Bühne.

Aufwändig inszeniert

Aufwändig, mit Höhenrettern als Soldaten-Engel, einer Königin als Domina und Cheerleadern, die den Fundamentalisten Elias wie einen amerikanischen Präsidenten feiern, bringt Herzog das Oratorium auf die Bühne. Baal ruft das Volk per Handy an der Börse um Rettung an, nach dem (Konsum-)Regen feiert es eine Strandparty. Diese Show-Szenen und die Cheerleader, hätte die Inszenierung nicht gebraucht.

Neuer Messias

Klug und wirkungsvoll ist, dass Herzog Elias ein Kind zur Seite stellt (einen großartigen Knaben der Chorakademie). Das Kind zeigt mehr als die Chor-Hundertschaft die Seele des Volkes und ist am Schluss der neue Messias.

Für Christian Sist, einen an Statur und Bassstimme mächtigen Elias, ist die Titelrolle wie geschaffen. Überragend macht er einen glaubwürdigen Opernhelden aus dem Propheten.

Glänzender Chor

Protagonist ist jedoch der glänzende Chor, Opernchor und Extrachor von Granville Walker, der Mendelssohns Musik auch in wuseliger Bewegung monumental klingen lässt. Und Motonori Kobayashi lässt die glänzenden Dortmunder Philharmoniker auch im Graben präsent und hochdramatisch klingen.

Unbedingt ansehen

Anschauen sollte man sich die Inszenierung unbedingt; mit religiösen Gefühlen geht Herzog respektvoll um. Die Gesinnung des Propheten, seinen Traum vom Erfolg und Scheitern daran, zeigt er so radikal, wie sie im Buch der Könige angelegt ist.

Termine: 24.3., 6./20.4., 17.5., 3./23.6.; Karten: Tel. (0231) 5 02 72 22. www.theaterdo.de
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Autor
Julia Gaß
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    4. März 2012, 13:40 Uhr
    Aktualisiert:
    4. März 2012, 18:17 Uhr