Alltags-Tipps: Was tun, wenn das Kind Pillen schluckt?

HALTERN Kleinkinder sind neugierig, krabbeln auf allen Vieren und nehmen alles in den Mund. Wenn die Mama gerade nicht guckt, auch Tabletten des Großvaters oder einen guten Schluck Rasierwasser. Und jetzt?

  • Dr. Arno Bracht.

    Dr. Arno Bracht. Foto: Archiv

Dr. Arno Bracht, ärztlicher Direktor im St. Sixtus-Hospital Haltern weiß Rat: "Das Wichtigste ist, dass das Mittel mitgebracht wird." Wenn die Ärzte wissen, welche giftige Substanz geschluckt wurde, können sie angemessen reagieren.

Brechmittel seien laut Bracht schon lange nicht mehr der Weisheit letzter Schluss. Im Gegenteil: Eltern sollten ihren Kindern keine Brechmittel geben. Bracht: "Es besteht die Gefahr, dass die Kinder sich verschlucken und die Substanz in die Lunge gelangt." Im Magen könne das Gift weniger Unheil anrichten. Eine kleine Nadel im Magen richtet auch meistens kein Unheil an. Bracht: "Von 100 Fällen gehen 99 hinten wieder raus."

Sauerkraut hilft

Man sollte aber Sauerkraut und Joghurt essen. Das Kraut schlingt sich um die Spitze und stumpft sie ab, damit die Magenwand nicht verletzt wird, und der Joghurt sorgt dafür, dass das spitze Ungetüm besser rutscht. Auch ein verschluckter Stein stelle keine Gefahr da. Wenn er erst einmal unten ist, ist laut Dr. Bracht schon fast alles wieder gut. Bleibt er allerdings im Hals beziehungsweise in den Bronchien stecken und besteht Atemnot, ist Eile angesagt.
 
    
Landet er lediglich in der Speiseröhre, könne man in der Regel mit Flüssigkeit nachspülen, bis er hinunter flutscht. "Wenn man etwas im Hals stecken hat, sollte man nichts Hartes hinterher schieben", so der Arzt. Wenn das auch noch stecken bliebe, hätte er mehr Arbeit.

Manchmal merke man gar nicht, dass das Kind etwas Giftiges zu sich genommen hat.  Spätestens, wenn es sich übergeben muss und das Erbrochene unklar oder gar schaumig ist, sollte man herausfinden, was verspeist wurde und ins Krankenhaus fahren. Dort wird dann auch die Giftzentrale in Berlin kontaktiert.

Unsicher? Dann besser den Arzt fragen

"Blumenerde ist in der Regel ungiftig", heißt es im Gesundheitsportal der deutschen Apotheker. Bei der gelegentlichen Einnahme einiger, vermeintlich giftiger Substanzen sei nicht unbedingt mit Vergiftungen zu rechnen. Oft ist es sinnvoll, die eingenommene Substanz mit Flüssigkeit zu verdünnen. Generell gilt: Die Menge macht´s und bei Unsicherheit sollte immer der Arzt oder die Giftzentrale kontaktiert werden.

Übersicht: Wie gefährlich sind welche Stoffe?
 

  • Reinigungsmittel: Handgeschirrspülmittel, Allzweckreiniger, Waschpulver, Duschgel und Shampoos sind in der Regel nicht giftig. Eventuell treten Magen-Darm-Symptome auf.
  • Kosmetika: Maximal ein Schluck alkoholhaltiger Parfums, Gesichts- oder Rasierwasser ist in der Regel ungiftig. Lippenstifte, Pflegecremes und Schminke sind in kleinen Mengen bis zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht unschädlich. Bei Säuglingen daran denken: Puder kann in die Luftwege geraten (Atemstörungen).
  • Schreib- und Malutensilien: Wachsmalstifte, Kreide, Tuschkastenfarben, Buntstifte, wasserlösliche Filzstifte (außer Kopierstifte) sind ungiftig. Tinten, Tintenpatronen (außer Spezialtinten) bis zu einem Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht ungiftig.
  • Quecksilberthermometer: Sofern keine Schleimhautverletzung vorliegt bis zum Inhalt eines Thermometers: unproblematisch.
  • Zigaretten (gegessen): Kinder von neun bis zwölf Monaten: bis ein Drittel Zigarette ungiftig.

 

 

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Autor
Iris Woitschell
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    14. Juli 2011, 14:52 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 16:21 Uhr