GZ-Adventsverlosung: Gewinnerin Dagmar darf jetzt sogar ausstellen
GREVEN. Den reichlich gefüllten Teller einfach mal an die Wand klatschen – das mag für Kenner der Szene bereits ein Akt kreativen Schaffens sein. Bei Dagmar Dahmen aber ist es der Auftakt eines künstlerischen Selbstversuchs, den sie zwar nicht scheut, der sie aber manches Mal doch irritiert…
Frisch lackiert - aber so nicht gewollt: Dagmar Dahmen ist ganz in ihrem Element. (Foto: Geschonke)
Tortenspitzen in Farbe getaucht
Aus einem Tag wurden nun aber gleich sechs. Beim so genannten Winter Kunst Symposion – hier kommen zahlreiche Künstler, auch angehende, zusammen um ebenso zu schaffen und zu lernen (wir berichteten) – gefiel es ihr so gut, dass sie gleich um eine Verlängerung bat. Und das hat sie nun davon: Am Sonntag werden ihre hier so produzierten Werke in der Aaschule ausgestellt – als eine von vielen, als eine von ihnen. „Ich mag normalerweise helle Farben“, sagt Dahmen. Da sitzt sie, grübelnd ob des eher dunkelbraunen Ergebnisses vorheriger Farbgelüste und -exzesse.
Was hat sie nicht alles getan, um etwas mehr Farbe auf ihre Leinwand zu bringen? Mit bemalten Papptellern drauf herumgedreht, Tortenspitzen in Gelb und Rot getaucht, einfach mal Händen und Kopf freien Raum gelassen. Nun ist das Bild ein zwar buntes, aber nicht minder dunkles. „Das ist normal, wenn man so viel Farbe aufträgt“, sagt ihre künstlerische Begleitung, Claude Cuntz, „aber schlecht ist das nicht!“
Intensivwoche statt Intensivtag
Das Ergebnis kann sich für solch ein Erstlingswerk durchaus sehen lassen, wenngleich Dagmar Dahmen sich noch etwas schwerlich damit auseinander setzt. „Ich weiß nicht so recht…“, behauptet sie, ausgerechnet im Beisein von Cuntz. Die ist Chefin im Haus, und das nicht nur aus besitzrechtlichen Gründen. Wenn sie sich ein gut gemeintes „Nein nein nein, das ist doch schön!“ entlocken lässt, dann ist das wohl auch so, sagt man hier. Malerei, Collagen, Bildhauerei, Radierungen.
All das sollte Dahmen an einem Intensivtag vermittelt bekommen, sich dann das beste herauspicken und vielleicht in neue künstlerische Sphären durchstarten. Soviel zur Theorie und zum Preis, den die Grevener Zeitung in Kooperation mit dem Atelierhaus Aaschule verlost hatte. Dagmars Lebensgefährte Ulrich Scheipers hatte sie damals für die ungewöhnliche Talentförderung beworben. „Sie hat zwar schon gemalt und auch mit Ton gearbeitet, würde aber gerne ihre Kenntnisse vertiefen“, schrieb er damals. Gesagt, gemacht: Scheipers’ Schreiben wurde ausgewählt, Dahmen damit zur Gewinnerin – und heut‘ wie hier vor der Staffelei. Zu Hause hat der Liebe bereits gekocht. „Das ist doch toll“, sagt Dahmen, „wenn ich abends völlig erledigt heim komme, ist alles schon fertig.“
Frisch lackiert
Die Erfolge ihrer ersten Lerneinheiten sind ihr deutlich anzusehen: Die Fingernägel sind frisch lackiert und bunt gefleckt, und das gar nicht mal so übel. So ist sie halt, die Kunst: überall und nirgends, irgendwie geplant und doch zuweilen zufällig. Dummerweise steht Naive Malerei diesmal nicht auf der Agenda: Pop Art ist das Oberthema. „Darin wollte ich mich eigentlich auch versuchen – aber das ist draus geworden“, sagt Dahmen entschuldigend mit Fingerzeig aufs neueste Werk.
Da mochten selbst die Tortenspitzen als Schablonen nicht mehr helfen. Sei‘s drum. „Es ist eine fröhliche Angelegenheit mit ihr, wir haben viel Spaß und sie ist immer gut gelaunt“, sagt Claude Cuntz über ihre Schülerin. Und: „Man muss es ja einfach mal versuchen!“, so die Französin, „einfach drauf los, einfach machen, Mut haben!“ Den hatte Dahmen, zumindest beim Gestalten. Aber würde sie sich selbst diese Leinwand auch in die Wohnung hängen? „Naja, man ist sich selbst gegenüber ja sehr kritisch“, sagt‘s und schweift kurz von dannen, „aber doch, würde ich. Wenn es farblich passt...“
"Ein bisschen Obst und Gemüse..."
Morgens die Theorie bei Claude, am Nachmittag die bunte Praxis. So hat es sich Dahmen vielleicht nicht unbedingt vorgestellt, aber genau so hat sie es gewollt. Bei Hermann Müller hat sie am Freitag noch Radierungen geübt, heute wird sie Doris Degener in die Kunst der Collage einführen. Ein ganz spezieller Termin ausschließlich für unsere Gewinnerin. Für die Bildhauerei im Freien ist‘s noch zu kalt, das wird dann später folgen. Für Dahmen überhaupt kein Problem, im Gegenteil. Da kann sie so lang ja noch was von Claude Cuntz lernen. Die hat nach fünf ereignisreichen Tagen aber selbst fast schon genug. „Ich sehne mich nach so viel Pop Art mal nach einem ganz einfachen Stillleben. Ein bisschen Ost oder Gemüse, das würde mir reichen“, gibt sie freimütig zu. Es sei ihr gegönnt. Schließlich hat sie seit dem vergangenen Wochenende Künstler mit offenen Armen empfangen und sie durch den Tag wie durch einige Irrungen begleitet.
So wie bei Dahmens aktuellstem Werk – einem poppigen Etwas in Gelb und Tee. Neben der Darjeeling-Verpackung hängt noch ein scherenähnliches Gebilde. „Da hat ein Teilnehmer aber gleich einen weiblichen Busen drin gesehen…“, sagt sie – nicht etwa pikiert, aber doch irritiert. Am „bunten Vogel mit schweren Stiefeln“ aber gibt es rein gar nichts zu deuteln. Sicher, Dahmens Absicht war das nicht. Der Vogel ist einfach so passiert. Gewollt oder nicht: Dahmen hat Spaß am Entdecken. In der Aaschule hat sie ihre Talentförderung mit Bravour und Spaß gemeistert. Und wer weiß: Vielleicht mietet sie sich ja selbst in ein Atelier ein und wird tatsächlich „eine von ihnen“? Was auch immer Dahmen künftig machen wird – sie wird es garantiert mit reichlich Farbe tun.












