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Medienhaus Lensing
10.02.2012 17:24 Uhr
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Das Granaten-Haus in Reckenfeld: Wie der Bürgerverein den letzten Munitionsschuppen zum Museum machen will

RECKENFELD Ferdinand Mehl ist ein gut gelaunter Mensch. Nein, er habe kein Problem damit, überall „Schuppen-Ferdi“ genannt zu werden. Das sei doch eine Auszeichnung, schließlich beschreibt der Spitzname ziemlich genau, was Ferdinand Mehls großes Ziel ist: die Rettung und der Umbau des letzten original erhaltenen Munitionsschuppens in Reckenfeld.Von Michael Hagel

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Ferdinand Mehl zeigt eine Original-Granate aus dem Ersten Weltkrieg. (Foto: Michael Hagel)

Es ist bitterkalt beim Ortstermin an der Lennestraße 17. Der Wind pfeift um das eingeschossige, weiß getünchte Eckhaus, in dem einst Granaten und Waffen eingelagert waren und in dem bis Anfang der 90er Jahre eine Familie wohnte. Ferdi Mehl und Klaus-Dieter Niepel, der 1. Vorsitzende des Bürgervereins Reckenfeld, möchten aus dem Gebäude, das die Stadt noch im Herbst 2011 abreißen lassen wollte, ein kleines, aber feines Museum machen. Ein Reckenfelder „Haus der Geschichte“. Bis es soweit ist, muss allerdings noch eine Menge Arbeit und auch Geld investiert werden.

Vergammelte Holzbohlen

„Wenn der Bürgerverein das Haus übernimmt, werden wir die Böden sowie die meisten Wände herausreißen, neue Beläge verlegen, eine neue Heizung einbauen und alles fachgerecht isolieren“, sagt Mehl. Er deutet auf ein Loch im Boden in einem Raum, darunter kommen arg vergammelte Holzbohlen zum Vorschein. Der im Januar festgestellte Pilz sei zwar nicht schön, aber ähnlich dem im Wald, also nicht gesundheitsschädlich. In den Wänden gebe es keine nennenswerte Feuchtigkeit. Neulich gab es bereits ein Gespräch der Bürgervereins-Aktivisten mit Bürgermeister Peter Vennemeyer (SPD).

Politiker sind angetan

„Er findet unser Vorhaben gut“, sagt Klaus-Dieter Niepel. Auch Reckenfelds Kommunalpolitiker sind durch die Bank angetan. Und was die Kosten für eine Sanierung betreffe, da würden sich sehr viele Reckenfelder Firmen und Privatpersonen engagieren. Ferdinand Mehl: „Eine Reihe von Leuten wollen kostenlos mitarbeiten, man hat uns außerdem bereits Material- und Geldspenden in Aussicht gestellt.“ Von den ursprünglich seitens der Stadt festgelegten 60 000 Euro für die Herrichtung des Gebäudes ist der Bürgerverein längst weg. „Wir kriegen das wesentlich günstiger hin, unter 20 000 Euro“, glaubt Mehl.

Es gehe doch vor allem darum, die Begeisterungsfähigkeit des Vereins auf möglichst viele Reckenfelder zu übertragen. Über ein Konzept hat sich der Bürgerverein auch schon recht intensiv Gedanken gemacht. In der Ausstellung sollen historische Fotos gezeigt werden, von der Depot-Zeit über die Anfänge der Besiedlung, die Polenzeit bis heute.

Echte Munition, wie sie hier eingelagert war, wird ebenso vorgeführt. „Eine Granate aus dem Ersten Weltkrieg habe ich bereits ersteigert“, sagt Ferdi Mehl. Es wird zudem gesonderte Veranstaltungen geben, Schulklassen könnten durch das kleine Museum geführt werden, Feste rund um das Haus gefeiert werden. „Hauptsache, es bleibt lebendig“, so Ferdinand Mehl und Klaus-Dieter Niepel. Der geplante Radwanderweg durch Reckenfelds bewegte Historie soll am Schuppen beginnen – und dort auch enden.

Rechs umfangreiches Archiv

„Natürlich wird auch Manfred Rech, unser Ortshistoriker, mitmachen“, sagt Ferdi Mehl. „Er ist in dieser Sache sehr engagiert.“ Mit Rechs umfangreichem Archiv könne man das Haus bestens bestücken. Im April geht das Objekt Lennestraße 17 in die politischen Gremien, parallel dazu will der Bürgerverein weitere Sponsoren einwerben. Mehl und Niepel hoffen, noch im Frühsommer mit den Arbeiten starten zu können. Auf einen Eröffnungstermin für das „Haus der Geschichte“ möchten sie sich zwar nur ungern festlegen, aber die erste Hälfte des Jahres 2013 wäre schon ein Ziel. Dann hätte Reckenfelds besondere Geschichte endlich eine feste Heimstätte. Und „Schuppen-Ferdi“ hätte sich eine Art Lebenstraum erfüllt.


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