Ehrenamt: Friedensstifter - Warum Heinrich Schwering Schiedsmann ist
HORSTMAR Heinrich Schwering setzt sich an den Kopf seines Wohnzimmertisches. Seine Miene ist sanft, aber ernst. Wie ein „Pokerface“. Der 50-Jährige ist Schiedsmann in Horstmar. Bevor Leute einen Streit vor Gericht ausfechten, wenden sie sich an ihn. Den objektiven Friedensstifter.
Heinrich Schwering ist der Schiedsmann in Horstmar. Seit fünf Jahren macht er den ehrenamtlichen Job. (Foto: Nico Drimecker)
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Ihm indes ist es wichtig, eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Darum übt er ehrenamtlich den Job aus. 2000 war er gesundheitlich angeschlagen. „Das Herz“, sagt er ohne Wertung. Er musste in seinen Beruf als Maler und Lackierer aufhören. „Nach zwei Jahren habe ich mich allmählich erholt und suchte etwas Neues.“ Damals stieg er in die Politik bei der UWG ein.
Dieses Jahr wieder Abstimmung
2006 stellte er sich zur Wahl des Schiedsmannes und wurde vom Rat bestätigt. Einen Grundlehrgang und eine Fortbildung, jeweils für ein Wochenende, musste er absolvieren, bevor er seine Arbeit aufnehmen durfte. Für fünf Jahre wird der Schiedsmann gewählt – dieses Jahr ist wieder Abstimmung. Schwering will weitermachen. Bis 70 darf er.
Horstmar ist friedlich. „Pro Jahr habe ich zwei bis maximal vier Fälle.“ Regelmäßig nimmt er an Kursen teil, um sich auf dem Laufenden zu halten. „Meistens ruft mich derjenige an, der sich geschädigt fühlt.“ Dann hört sich Schwering den Fall an, arbeitet seine „sieben W’s“ ab: Wer hat wem und wo und wann und was getan, und was will er? Das gleiche macht er mit dem, der seine Hecke angeblich falsch gepflanzt habe.
Neutraler Ort
Danach bekommen beide Parteien einen Ladungstermin. Allerdings nicht zu sich nach Hause. „Der Ort muss neutral sein: der Trausaal im historischen Rathaus.“ Da sitzt Schwering auch immer am Kopf des Tisches. „So habe ich beide Parteien im Blick, sehe, wie sie aufeinander reagieren.“ Schwering zeigt die Parteien mit seinen Zeigefingern, dreht den Kopf zum einen und zum anderen.
„Dann finden wir gemeinsam einen Kompromiss“, sagt er und öffnet seine Hände zu Waagschalen. In der Fachsprache heißt das: einen Vergleich schließen. Jeder kommt zu Wort, jeder lässt den anderen ausreden. Diese Regeln legt Schwering fest. „Allein würden die sich vielleicht hochpuschen. Ich bin nur da, um zu vermitteln, ich fälle kein Urteil.“
Utopie, die klappt
In der Regel reicht eine Sitzung, um die Streithähne zu versöhnen. „Beide müssen einverstanden sein, das ist mein Ziel. Und beide müssen das Gefühl haben, dass sie gewonnen haben.“ Klingt utopisch, klappt aber – meistens. Ein Mal hat Schwering keinen Vergleich schließen können. „Aber vor Gericht zu gehen, war dem, der mich angerufen hatte, doch zu viel Aufwand.“
Indirekt also doch ein Erfolg. Er selbst brauchte noch nie einen Schiedsmann, einen Anwalt erst recht nicht. „Man muss einfach zu den Menschen hingehen und miteinander ordentlich reden.“ Das ist sein Rezept für Frieden.
- INFO: Schiedsmann oder Schiedsfrau kann grundsätzlich jeder werden. In NRW liegt das Mindestalter bei 30 Jahren, Höchstalter bei 70. Kontakt zum Schiedsmann des Ortes erhalten Bürger bei der Verwaltung, der Polizei oder beim Amtsgericht. Horstmarer können direkt Heinrich Schwering anrufen: (0 25 58) 98 690 35.














