Indische Saris reisen in Europas Kleiderschränke
LAER Ein Stückchen Indien haben Gabriele und Karl Haak mit ihrer „Maharanis“-Boutique in die Dorfmitte Laers gebracht. Das Geschäft verkauft indische Saris, Schals, Schmuck und Stoffe in ganz Europa.
Farbenprächtig und exotisch: Die nepalesischen und indischen Waren der Boutique »Maharanis« in Laer sind nicht nur bei Privatleuten begehrt - Gabriele Haak verkauft auch an Theater, Opernhäuser, Chöre und manchmal sogar Stierkämpfer. (Foto Larissa Loges)
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Betritt man die „Maharanis“-Boutique in der Dorfmitte, endet das Münsterland und Indien beginnt. Das fremdländische Flair zog mit Gabriele und Karl Haak in Laer ein. Nach einer Weltreise im Jahr 2002 mit einer Zwischenetappe in Indien, kehrte das Ehepaar mit einem Stapel farbenprächtiger Saris im Gepäck nach Hause zurück.
„Die wurden uns dann von unseren Freunden förmlich aus den Händen gerissen, so begeistert war man von der Schönheit der Stoffe“, erinnert sich Gabriele Haak.
Sari-Verkauf im Netz
Schnell entspann sich die Idee, einen Handel mit dem extravaganten indischen Tuch zu wagen. Lieferanten wurden gesucht, der IT-Fachmann Haak feilte an der Technik und bereits im Jahr 2003 stellte sich „Maharanis“ - zunächst als Online-Shop - in den Dienst von Stoffliebhaber und Seidenfans.
„Ich bin immer wieder überrascht für wen das interessant ist“, konstatiert die Unternehmerin, die selbst „vom Nadelstreifenanzug bis zum Sari“ alles trägt. Denn der Stoffshop beliefert nicht nur Privatleute: „Auch Theater, Opernhäuser und Eventagenturen, die spannende Stoffe benötigen, oder Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft wenden sich an uns. Ein Kunde suchte sogar Brokate für eine Stierkämpferweste.“
Fernsehsender klopften an
Und so hat das „Maharanis“ auch nach dem Abebben der Bollywood-Euphorie - als sogar Fernsehsender bei den Haaks drehen wollten - einen festen Kundenstamm, der sich auf den gesamten deutschsprachigen Raum Europas erstreckt.
Mit dem Umzug der Familie aus Köln ins Münsterland öffnete „Maharanis“ 2007 neben der virtuellen auch in der realen Welt die Pforten. Der Name „Maharanis“ kommt dabei von den Frauen der Könige, die sich in feine, ausgesuchte Stoffe hüllen und davon gibt es reichlich: Saris, Saristoffe, Kaschmirschals, Schmuck, Taschen und Filzpantoffel sind nur ein Ausschnitt aus dem Sortiment.
Keine Massenware, nur Handarbeit
„Fast alles ist handgearbeitet, wir haben keinerlei Massenware“, versichert Haak. Dabei achtet die zweifache Mutter bei den indischen und nepalesischen Lieferanten stets auf fairen Handel.
„Wichtig ist mir, dass ohne Kinderarbeit produziert wird“, betont die 42-Jährige. „Ich habe gesehen, wo die Stoffe entstehen. Die Webstühle sind so riesig, dass nur Erwachsene daran arbeiten können. Bei Stickereien passe ich auf.“
Einkauf bis zur Nasenspitze
Um Frauen und Mädchen zu unterstützen hat die in den USA geborene Volkswirtin eine Kooperative in den Bergen Nepals aufgetan, deren Filzarbeiten nun auch zur Produktpalette gehören.
Dabei war das fremdländische Verkaufsgehabe auch für die Weltenbummlerin immer wieder überraschend: „Da bekommt man Berge von Mustern auf den Schoß geworfen, bis man nur noch mit der Nasenspitze vorguckt.“
Schals in Chorfarben
Da gilt es trotz der Flut an Farben, Mustern und Techniken einen guten Riecher für die Ware zu behalten. Denn der Großteil des Umsatzes basiert auf „dem normalen Onlineverkauf von ein oder zwei Sachen“. Diese werden dann oftmals auch zweckentfremdet: So werden beispielsweise die aus einer langen Stoffbahn bestehenden Saris zu Kostümen umgeschneidert und zu Hochzeiten sowie anderen Festlichkeiten getragen.
„Eine Stoffkünstlerin aus der Region macht Korsagen aus den Saris“, weiß Haak. Und auch die handgewebten Schals gehen oft spannende Wege. „Chöre kaufen größere Mengen in den entsprechenden Chorfarben ein“, erzählt die Stoffexpertin, deren Ware insbesondere den europäischen Kundenkreis anspricht: „99 Prozent unserer Kunden sind keine Inder.“ Die Faszination der Europäer durch „Maharanis“ verwundert angesichts raschelnder Seide und leuchtender Stoffe allerdings nicht.













