Welttag des Stotterns: Logopädin: "Stottern ist behandelbare Bürde"
LAER Stottern kann zu sozialer Ausgrenzung und Isolation führen. Seit 1998 gibt es darum einen Tag, der von weltweiten Stotterer-Organisationen und Fachverbänden gemeinsam ausgerufen wurde, um auf die Problematik stotternder Menschen aufmerksam zu machen. Am Freitag ist der "Welttag des Stotterns". Die Laerer Logopädin Andrea Geersen liefert Fakten rund um die Sprechbehinderung.
Logopäden haben eine Vielzahl von Behandlungenmöglichkeiten für Stotterer. (Foto dpa)
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Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle für Entstehung, Aufrechterhalten und Entwicklung. Diese bleiben aber Hypothesen, von denen - bis heute - keine eindeutig bewiesen werden kann.
Welche Hypothesen gibt es?
Erklärungsmodelle sind, Stottern als Folge organischer Störungen oder Wahrnehmungsstörungen zu betrachten. Oder auch als Folge seelischer und sozialer Probleme.
Welche Symptome bringt das Krankheitsbild mit sich?
Das Wiederholen von Satzteilen, Wörtern oder Wortteilen. Oder aber auch eine rasch aufeinander folgende Wiederholung von Lauten. Des weiteren Verkrampfungen der Sprech-Muskulatur, die einem Wort vorausgehen. Begleitend kann es dazu Bewegungen im Gesicht oder am Körper, Erröten, Herzklopfen und vieles mehr geben. Stottern variiert sehr stark. Es hat nicht immer das gleiche Bild.
Sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen betroffen?
Nein, nicht gleichermaßen. Experten sprechen von ein bis vier Prozent der Erwachsenen, während bei Kindern und Jugendlichen vier bis fünf Prozent betroffen sind. Bei Kindern kann es außerdem eine sprach-entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeit sein, die auf Unsicherheit oder Überforderung im Spracherwerb hinweisen. Das ist nicht selten bei kleineren Kindern, es lohnt, zur Abklärung einen Logopäden aufzusuchen. Grundsätzlich sind Jungen viermal häufiger betroffen als Mädchen.
Ist Stottern gut behandelbar?
Stottern ist grundsätzlich gut behandelbar, aber eher im Sinne einer Verringerung der Symptome und Verbesserung der Einstellung dazu. Stottern entsteht meist zwischen dem zweiten und achten Lebensjahr. 80 Prozent der stotternden Kinder verlieren die Symptomatik bis zum zehnten Lebensjahr. Kinder haben also eine gute Chance.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Auch da greifen unterschiedliche Ansätze. Meine Arbeit folgt dem Van-Riper-Ansatz: Charakteristisch ist die Strategie, Stottern erst zuzulassen, statt es vermeiden zu wollen. Denn je mehr sich der Patient verkrampft, desto stärker das Stottern.
Was sind die vorrangigen Therapieziele?
Ziel kann es nicht sein, Stottern komplett zu verhindern, sondern die flüssigen Sprechanteile zu erhöhen - also ein Stottern, welches weniger oder kaum merkbar auftritt. Wenn wir behandeln, wird Stottern in der Regel deutlich besser, es kann zu einem späteren Zeitpunkt aber auch wieder schlechter werden.
Wie gehen Ihre Patienten mit dem Stottern um?
Manche stört es weniger, andere aber trauen sich nicht mehr in die Öffentlichkeit hinaus. Manche Kinder zeigen beispielsweise in der Schule nicht mehr auf, um das Sprechen zu vermeiden.
Was umfasst das Berufsbild Logopäde? Was wird in der Praxis behandelt?
Artikulationsstörungen, Sprachentwicklungsverzögerungen, Kinder mit Zahnfehlstellungen aufgrund falscher Zungenlage, Menschen, die einen Schlaganfall, Tumor oder Unfall erlitten und dabei ihr Sprachvermögen verloren haben. Und auch Menschen, die Stimmprobleme wie Heiserkeit haben.













