Kunsthaus Kloster Gravenhorst: Neue Stipendiaten stellen sich vor
KREIS STEINFURT/HÖRSTEL Jedes Jahr bewerben sich über 100 Künstler um eines der Stipendien am Kunsthaus Kloster Gravenhorst. Drei oder vier bekommen schließlich den Zuschlag und dürfen ihre Projekte verwirklichen. Am Freitag, 10. Februar, beziehen die Jahresstipendiaten ihre Räume und stellen sich vor.
Labyrinthartige, mit weißem Steinmehl zu Sonnenaufgang vor den Hauseingang gestreute Zeichnungen, Kolams, erscheinen über einen Monat lang in einem ausgewählten Münsterländer Dorf. (Foto: prf)
Der Reihe nach: „Doppelrolle – Raum als Akteur und Kulisse“ ist ein Projekt der Künstler Irene Pätzug und Valentin Hertweck. Sie beschreiben ihr Vorhaben so: „Wir lassen Architektur handeln und dementieren ihre Spielregeln und Gesetzmäßigkeiten.“ Architektur werde zur Bühne, auf der handelnde Körper, sowohl Besucher als auch Objekte, auf- und abtreten.
Raum als Kommunikator
Der Raum selbst werde zum Kommunikator: „Der Besucher ist gezwungen auf den Raum einzugehen und Stellung zu nehmen“. Was das heißt, wird schon am 26. Februar konkret, wenn um 12 Uhr die Ausstellung der beiden Künstler eröffnet wird. Bereits gestern haben die Vorbereitungen zu Kaaren Beckhofs „zwischen Himmel und Erde. Ein Kolam im Münsterland“ begonnen.
Kolams, das sind labyrinthartige, mit weißem Steinmehl erstellte Zeichnungen, die zum Sonnenaufgang vor dem Hauseingang gestreut werden. Beckhof beschreibt dies so: „Meditativer Konzentration folgend werden Punktegitter mit unendlichen Linien umfahren. Die Geste des Zeichnens transformiert alltägliche, geschäftige Plätze temporär zu Orten der Achtsamkeit und Besinnung. Bildhaft ornamental, sowie zeitlich performativ angelegt, konvergieren Stillstand und Bewegung, Zeit und Raum.“ 2012 plant Kaaren Beckhof, das südindische Kolamsetzen ins Münsterland zu transferieren – und ihr Wissen in einer „Kolamschule“ weiter zu geben.
Vorgärten als Übergangszonen
Auch vor der Haustür, doch mehr im Grünen spielt sich das Projekt „Der leuchtende Garten“ von Andrea Knobloch ab. Sie wird während der Projekteröffnung heute Abend vorstellen, was sich hinter folgender Beschreibung verbirgt: „Vorgärten sind Übergangszonen, in denen sich der Drang nach öffentlicher Aufmerksamkeit und das Bedürfnis nach Schutz und Rückzug überschneiden. Als Fortsetzung der „Skulptur namens Einfamilienhaus“ bilden sie eine Bühne, auf der sorgfältig durchgeplante Ideallandschaften zwischen individueller Ausdrucksfreude und sozialer Eingebundenheit vorgeführt werden.“
Die Künstlerin verspricht ein „Schattentheater“ und spielt mit der Vorstellung eines heimlichen Lebens der Pflanzen, die sich aus der strengen Ordnung der Gartenanlagen zu befreien suchen. Käthe Wenzel schließlich präsentiert das vierte Stipendiumsprojekt: „Wasserkarte“ hat sie es genannt und setzt auf die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Wenzel will eine interaktive soziale Karte für das Internet entwickeln.
Real-virtueller Wanderweg
Aus Fragen wie „Welche privaten und geschäftlichen Beziehungen entspinnen sich entlang der Wasserstraßen? Welche Ereignisse verbinden die Menschen damit? Wie funktionieren sie wirtschaftlich, ökologisch und administrativ?“ will sie einen real-virtuellen Wanderweg entwickeln. Schleusenwärter, Wassersportler, Kanuten, Bürgerinnen und Bürger möchte sie einladen, diese Landkarte übers Jahr mit Lieblingswasserwegen- und -orten zu füllen.











