Stoiber begeistert am Aschermittwoch in Recke
RECKE Früher, da war er der große Star des Aschermittwochs. In Bayern las er seinen Gegnern die Leviten, mit derben und markigen Sprüchen. Edmund Stoiber. In diesem Jahr eroberte er Recke, ließ auf Einladung des CDU-Kreisverbandes rund 3000 Gäste am Abend des Aschermittwochs im Festzelt jubeln.
Starke Worte in Recke: Edmund Stoiber beim politischen Aschermittwoch der Kreis-CDU Steinfurt. (Foto: dpa)
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Wie ein Fürst
Es ist Aschermittwoch kurz nach 20 Uhr, als er erhobenen Hauptes wie ein Fürst in das Festzelt einzieht. Eine Blaskapelle von Bergleuten vorneweg. Die heiße Luft ist geschwängert vom Bierdunst. Maßkrüge gibt es nicht, kein Weißbier. Dafür Flaschen-Pils, aus dem Sauerland. Die fast 3000 Gäste stehen von ihren Klappstühlen auf, quetschen sich zwischen die Biertische, um einen Blick auf ihn zu erhaschen, das Urbild des Aschermittwochs-Polterers.
Triumphzug mit Blaskapelle
Stoiber, der Ex-Ministerpräsident, lacht dieses berühmte langgezogene Lächeln, genießt den Triumphzug. Dass die Kapelle „Der Steiger kommt“ spielt und nicht einen zünftigen bayrischen Marsch – er trägt‘s mit Fassung. Ab und an wandert sein Blick zur Decke des Festzeltes, fällt auf rot-weiße Stoffbahnen. Ob er sich nach den blau-weißen Farben in Passau sehnt?
Ungeduld auf dem Podium
Dann sitzt er auf dem Podium, wartet, dass er dran kommt. Hört, wie Reckes Bürgermeister über eine aufgegebene Hosenfabrik, einen verlassenen Bauernhof redet. Als sich ein Lokalpolitiker nach dem anderen zum Grußwort drängt, zügelt Stoiber seine Ungeduld. Faltet die Hände, reibt sich das Kinn. Dann ist er da, sein Moment, auf den alle gewartet haben.
In Rage geredet
Es ist 21.05 Uhr. Stoiber tritt ans Pult. Als er gleich in den ersten Sätzen den Recker Aschermittwoch als „größte Veranstaltung außerhalb Bayerns“ lobt, hat er die 3000 Bierzeltgäste erobert. Dann setzt er an zur Tour durch die deutsche und die Weltpolitik. Natürlich beherrscht von dem einen Thema, der Finanzkrise. Geißelt Rating-Agenturen, die „Bestnoten für Finanzramsch“ ausgestellt hätten. Prügelt gnadenlos auf Manager ein, „die Boni kassieren und Steuergelder einfordern“. Empörend sei das. Wer diese Krise zu verantworten habe, müsse zur Verantwortung gezogen werden – auch finanziell.
Flammende Worte
Stoiber redet sich in Rage, hält ein flammendes Plädoyer gegen den „Spekulationskapitalismus“ und für die soziale Komponente der Marktwirtschaft. „Natürlich ist der Staat nicht der bessere Unternehmer, aber der Staat ist der einzige, der in dieser globalen Krise überhaupt noch handlungsfähig ist“, schreit der Mann mit dem schlohweißen, schütteren Haar über die Biertische.
Dann wettert er gegen Lafontaine und Gysi, gegen Steinmeier als „Schröder-Verschnitt“. Plädiert im Zweifel für eine Volksabstimmung über einen EU-Beitritt der Türkei. Die Menschen jubeln. Stehen auf, klatschen. Mehr als eine Stunde heile Welt für Edmund Stoiber. Wo Recke liegt, das weiß er jetzt, um 22.23 Uhr, aber wo liegt Passau?











