Beratung für Loveparade-Opfer: Panne bei Einladung zum Trauergottesdienst
LÜNEN Die Angehörigen der Opfer der Loveparade-Katastrophe brauchen fachliche Hilfe. Streit um die Verantwortung ist für sie ebenso schlimm wie organisatorische Pannen in den Tagen nach der Katastrophe. Das haben auch die Eltern des getöteten 18-Jährigen aus Lünen erlebt.
21 Menschen sind bei der Loveparade am Samstag in Duisburg gestorben. (Foto: dpa)
Aber auch viele Besucher und Hilfskräfte, die die schrecklichen Ereignisse hautnah miterlebten, wenden sich an Psychologen und Notfall-Seelsorger.
Auch die Eltern des 18-jährigen Lüners, der in dem Gedränge ums Leben kam, werden seit Sonntag von Mitarbeitern der Notfall-Seelsorge des Kreises Unna betreut. "Wir werden uns so lange um die Familie kümmern, wie es gewünscht ist", erklärte Willi Wohlfeil, Beauftragter für Notfall-Seelsorge des Kreises Unna.
"Schlag ins Gesicht"
In einem Fernsehinterview hatten Freunde der geschockten Eltern erklärt, dass die Familie sich sehr allein gelassen fühle. Eine weitere Belastung ist für die Angehörigen des Lüners auch das Hin und Her um die Trauerfeier in Duisburg.
"So etwas ist ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen", kritisiert der Lüner Kriminalpsychologe Dr. Christian Lüdke die Verantwortlichen. In der ohnehin schon schweren Leidenssituation müsse man den Angehörigen der Toten und den Schwerverletzten Wertschätzung entgegen bringen, Zeichen der Solidarität.
Anlaufstelle im Kreis Unna
"Die Angehörigen der Opfer gehören bei der Trauerfeier in die erste Reihe. Für sie ist der Gottesdienst gedacht, nicht für Politiker. Sonst ist die ganze Sache doch eine Farce", so Dr. Lüdke.
Er begleitet derzeit zwei junge Frauen aus Duisburg und Gelsenkirchen, die aus dem Gedränge im Tunnel entkamen. Mit ihnen war er am Ort der Katastrophe, erlebte junge Männer, die weinten, Verletzte, die begreifen wollten, dass sie noch Glück im Unglück hatten.
Schlimm für die Angehörigen sei auch das Hin und Her der gegenseitigen Schuldzuweisungen von Politikern und Veranstaltern.
Der Kreis Unna hat eine Anlaufstelle für Menschen eingerichtet, die nach der Loveparade Unterstützung und Hilfe bei der Verarbeitung der Erlebnisse brauchen. Erste Anlaufstelle ist die Einsatzleitstelle der Feuerwehr im Kreis Unna, Tel. (0 23 03) 1 92 92. Von dort aus erfolgt eine Vermittlung an den Notfall-Seelsorge-Beauftragten. Er steht für konkrete Hilfe zur Verfügung oder ebnet den Weg für die Kontaktaufnahme mit anderen Fachleuten.

























