Gymnasium Ochtrup: Schon die Jüngsten wissen, wie sie zu Rechtsradikalismus stehen
OCHTRUP Offiziell ist der Nationalsozialismus am Gymnasium Ochtrup Stoff der neunten Klasse. Aber was ist, wenn NPD-Anhänger auf Schulhöfe kommen und zum Beispiel CDs mit rechtsradikalen Liedern verteilen? Auf diese Fragen haben schon Sechsklässler Antworten parat. Und die sind ziemlich erwachsen.
Andreas Pohlmann unterrichtet Geschichte, Deutsch und katholische Religion am Gymnasium Ochtrup. (Foto: Matthias Lehmkuhl)
So komme es auch zustande, dass die Schüler im Geschichtsunterricht der neunten Klasse schon relativ viel wüssten, sagt Pohlmann. So etwa die Schüler der 6 c in Raum W 104. Pohlmann fragt in die Runde: „Warum meint ihr denn, will euch jemand eine CD schenken? Das klingt doch eigentlich nicht schlecht.“
Schon Sechsklässler durchblicken rechtes Gedankengut
Von seinem suggestiven Denk-Nachschub lassen sich die Schüler nicht beirren: „Da sind ja Texte drauf, mit denen man von den falschen Ansichten überzeugt werden soll“, sagt ein Mädchen. Ein Mitschüler vermutet: „Die sagen, das war damals im Zweiten Weltkrieg alles gar nicht so schlimm, wie andere sagen.“ Auch die anderen Klassenkameraden liefern noch so einige Ideen, was die „Rechten“ mit solcherlei „Geschenken“ erreichen wollen.
Heiner Studt, ständiger Vertreter des Gymnasiums, ist froh, „dass es in den letzten Jahren keine nennenswerten Ereignisse gab mit Rechtsradikalen, die hier auf Stimmenfang waren“. Er erinnert sich: „Anfang der 90-er gab’s mal Sachen. Aber jetzt zum Glück nicht mehr.“
"Man muss sich vernetzen"
In einer Fachtagung zu Rechtsextremismus im Kreis Steinfurt dieser Tage nahm Pohlmann im Kreishaus in Burgsteinfurt teil. „Man muss sich vernetzen“, sagt er, um Rechtsextremismus zu begegnen. „Den gibt es schließlich auch in Tierschutzverbänden oder Sportvereinen, „nicht nur im Osten Deutschlands“.
Der Vater eines einjährigen Sohnes sah sich selbst auch schon mit rechtsradikalen Parolen konfrontiert. „Beide Male war ich im Urlaub. Da traf es mich völlig überraschend beim Buchkauf.“ Da geriet er in ein Gespräch mit jemanden – zunächst „ganz normal“. Aber dann stellte sich heraus, „worauf er hinaus wollte: Parolen und mich `belehren´. Ich habe das Gespräch abgebrochen.“
Schüler scheinen gewappnet
Während man von älteren Heranwachsenden vielleicht schon eher einen wachen und gesunden Verstand erwartet, ist das Verständnis von Demokratie und Menschenrechten in der 6 c auch schon weit fortgeschritten. „Alle Menschen sind ja gleich, sagt das Gesetz“, weiß ein Mädchen aus der hinteren Reihe.
CD zerbrechen oder ins Sekretariat bringen
Pohlmann wirft die nächste von vielen Fragen auf: „Was würdet ihr denn mit so einer CD machen?“ Betont hypothetisch lässt Pohlmann jede mögliche Antwort offen. Doch die gehen auch bei den Unterstufenschülern in eine klare Richtung. „Ich würde die zerbrechen“, sagt der Junge mit blauem Pulli. Sein Tischnachbar ergänzt: „Ja, das, oder ich würde die ins Sekretariat bringen.“









