Adventsmarkt: Scientology-Anhänger sammelt Adressen
MÜNSTER An den bunten Puppen am Stand Nummer 38 des Aegidii-Adventsmarkts schaut man nur schwer vorbei. Da sitzen die "Kumquats" und lachen. Die kleinen Stoffpuppen sind wirklich süß, aber wo sie auftauchen, kann es schon mal Ärger geben. Sie werden von der Firma Bodrik hergestellt, deren Inhaber Ludwig Bodrik Scientology-Mitglied ist. Er hat Stand 38 angemeldet.
"Kumquats"-Puppe. (Foto: tgk)
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Britte Hahn kennt die Firma und auch die "Kumquats". Die Leiterin der Fachstelle für Sekten- und Weltanschauungsfragen des Bistums Münster muss nur einen Blick in ihr Archiv werfen, dann findet sie gleich eine ganze Reihe von Einträgen, zum Beispiel einen aus dem Jahr 2001. Damals hatte der Betreiber des Christkindlmarkts in Nürnberg dem Budenbetreiber Thomas Görtler verboten, von seinen Kunden die Adresse zu verlangen. Weil Scientology über die Puppen versuche, an Kontaktdaten zu kommen, hieß es in den Nürnberger Nachrichten. Wenn man die Verkäuferin zwischen den bunten Puppen auf dem Weihnachtsmarkt in Münster nach Verbindungen zu Scientology fragt, sagt sie, man habe ihr versichert, die gebe es nicht. Man müsse ihren Chef fragen: Thomas Görtler.
Der sammelt auch in Münster eifrig Adressen, streitet jedoch ab, diese weiterzugeben. "Keine der Adressen verlässt unser Haus", sagt er. Warum er sie sammle? Jedes Unternehmen mache das. Wer unterschreibe, bekomme Werbung. Mehr nicht. Man zwinge niemanden zur Unterschrift. Die Firma von Ludwig Bodrik hat eine Verquickung der Interessen von Unternehmen und Scientology ebenfalls mehrfach zurückgewiesen. Es gehe um den Verkauf von Spielzeug.
Propaganda
Brigitte Hahn zweifelt das an. Die Mitglieder der Organisation seien angewiesen, ihre gesellschaftlichen Kontakte zu nutzen. Wenn der Budenbetreiber Scientology-Mitglied sei, müsse man davon ausgehen, dass die Sekte auch mit den Erlösen unterstützt werde. Dass Thomas Görtler Scientology-Mitglied ist, streitet er nicht ab. Aber das sei Privatsache und habe mit dem Geschäft nichts zu tun. Brigitte Hahn sagt: "Sicher ist, dass Kumquat-Käufer vor Jahren Propaganda von der KVPM bekamen." Die KVPM ist die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte, gegründet von Scientology.
Der Verfassungsschutz überwacht Scientology seit langem. "Es läuft gerade ein Verbotsverfahren", sagt Brigitte Hahn. Die Organisation wolle die Vefassung unterwandern. "Ich weiß gar nicht, warum die noch einen Marktstand bekommen", sagt sie. Weihnachtsmarkt-Betreiberin Heidi Hungeling interessiert das Thema nicht so sehr. Der Mann stehe dort schon seit Jahren. Man möge ihn doch bitte in Ruhe lassen.
























