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Medienhaus Lensing
03.09.2010 19:10 Uhr
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Zeitzeugen : Bewegende Geschichten aus den Zeiten des Krieges

MÜNSTER. Der Zweite Weltkrieg begann für sie als Abenteuer. Am Ende waren sie erleichtert, einfach nur überlebt zu haben. Als Zeitzeugen erzählten sie am Donnerstagabend in der Dominikanerkirche, wie sie als Kinder und Jugendliche den Krieg in Münster erlebt haben. Und mehr als 120 Menschen lauschten gebannt.Von Cateria Metje

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Wilhelm Stein, Stefan Bergmann, Annemirl Spitz, Volker Petersen und Franz-Josef Kavermann (v. l.) sprachen über persönliche Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg.

Tronquet

 

Der evangelische Kirchenkreis  Münster und die MZ hatten Annemirl Spitz, Franz-Josef Kavermann und Wilhelm Stein anlässlich des Antikriegstages eingeladen, sie sind heute 84, 81 und 75 Jahre alt. Moderiert wurde die Runde von Stefan Bergmann, Chefredakteur der Münsterschen Zeitung, und Volker Petersen, MZ-Mitarbeiter und Historiker.

 

Der erste Bombentrichter war eine Attraktion für Wilhelm Stein, der die ersten Angriffe auf Münster als Grundschulkind erlebte. Auch Kavermann erinnert sich: "Wir haben Bombensplitter gesammelt." Und Annemirl Spitz hatte geglaubt, was sie im Radio gehört hatte: In 14 Tagen würden die Soldaten wieder zu Hause sein.

Die Stimmung kippte

Die Stimmung kippte, als die Bomber auch bei Tage angriffen, als die Hammer Straße brannte und eine Klassenkameradin bei einem Luftangriff den Tod fand: "Am Tag zuvor hatte sie in der Schule noch gesungen: Wir sind nur Gast auf Erden", erzählt Annemirl Spitz bewegt.

Fotostrecke Zeitzeugen berichten

Einig sind sich die drei Zeitzeugen darüber, dass zu Hause nicht über den Krieg und die Toten gesprochen wurde: "Es ging immer ums Überleben", sagte Spitz, "man musste etwas zu essen organisieren." Der Anblick der Toten auf den Straßen gehörte irgendwann zum erschreckenden Alltag. Stein erinnert sich an den Abschuss britischer und amerikanischer Flieger: "Die waren alle tot. Für uns waren das Feinde. Dass da auch Familien dran hängen, haben wir uns nicht klar gemacht."

Hitler statt Jesus

Kavermann sieht noch lebhaft vor sich, wie die Kreuze in den Schulen durch Hitlerbilder ersetzt wurden und einige Lehrer in Uniform unterrichteten und Juden diffamierten. Spitz sagte, ihre Tante habe jämmerlich geweint, als die jüdischen Nachbarn deportiert wurden: "Wir haben nicht gewusst, dass die Menschen verbrannt wurden. Aber dass es denen nicht gut ging, war klar."

Freude über das Ende

Alle waren erleichtert, als der Krieg vorbei war. Annemirl Spitz sagt, sie sei froh gewesen, dass die Amerikaner kamen und nicht die Russen. Stein beschreibt, wie Freund und Feind am 8. Mai gemeinsam vor der Erphokirche feierten. Der damals 16-jährige Kavermann war froh, dem Volkssturm entkommen zu sein. Und wieder ging es um das nackte Überleben, das Abtragen der Trümmer, die Organisation von etwas Essbarem. Bis in die 50er Jahre wurde aufgeräumt: "Nach Kriegsende konnte man vom Bahnhof bis zum Schloss sehen", veranschaulicht Spitz. Und die politischen Trümmer? Kavermann resümiert: "Wer bei den Nazis oben war, saß ein paar Jahre später auch wieder oben. Aber in meinem Alter war man nicht empört."



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