11. Februar
"Monsters of Rap" im Skaters Palace
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MÜNSTER Sie ist die Herrin über 112.000 Meter Akten, 39 Millonen Karteikarten, 1,44 Millionen Bildern, 31.300 Tondokumenten und 2700 Filmen und Videos. Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, war am Donnerstag zu Gast in Münster.
Die Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen Marianne Birthler. (Foto: dpa)
Zu dem Vortrag der Reihe "Forum Liberal" hatte die FDP in die „Villa Rico“ im ABC-Schützenhof an der Steinfurter Straße geladen. Birthlers genauer Titel lautet "Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" (BStU). Sie leitet die Berliner Behörde seit zehn Jahren.
Allein 112.000 laufende Meter an Akten des ehemaligen DDR-Geheimdienstes sind inzwischen archiviert und können von Antragstellern genutzt werden. Dazu kommen außerdem rund 39 Millionen Karteikarten, 1,44 Millionen Bilder, 31.300 Tondokumente und mehr als 2700 Filme und Videos. Alles in allem entspricht das der Länge der Strecke zwischen Münster und der Köln-Bonner Region.
Persönlickeitsrechte
„Schon früh wurden die Weichen dafür gestellt, wie wir die Akten noch heute verwenden“, sagte Birthler. Im Mittelpunkt stünden dabei die Frage nach Schuld und Verantwortung, die Funktionalität des Stasi-Systems und der Wunsch, den Opfern die Akten zugängig zu machen. Habe jemand einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt, werden die gefundenen Unterlagen im Berliner Zentralarchiv zusammengestellt und zur Ansicht vorbereitet. „Informationen über andere Personen als über die des Antragstellers werden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geschwärzt“, so Birthler.
Ein großes Problem stellen für die Behörde zerrissene Akten dar. „Den Inhalt von 400 dieser Säcke mit sogenanntem vorvernichtetem Material haben wir bereits rekonstruiert. Das Problem ist, dass es von diesen Säcken insgesamt noch 15.000 Stück gibt.“ Um diese Unmengen von Akten überhaupt bewältigen zu können, wurde inzwischen das Fraunhofer Institut in Berlin mit der virtuellen Rekonstruktion der Unterlagen beauftragt.
Größte Sammlung abgefangener Liebesbriefe
Dabei werden die einzelnen Schnipsel eingescannt und elektronisch wieder zu einem Ganzen zusammengefügt. „Viele Bereiche des ehemaligen DDR-Lebens spielen in diesen Unterlagen eine sehr wichtige Rolle und sind zum Teil die einzige Quelle überhaupt. Wahrscheinlich enthalten sie auch die größte Sammlung an handgeschriebenen Lebensläufen und abgefangenen Liebesbriefen“, schätzt Birthler.
Für Marianne Birthler sind die Akten ein Kulturgut. „Ich persönlich finde, dass sie sogar zum Weltkulturerbe gehören sollten“, sagt sie. Mit einem so großen Interesse der Bevölkerung an den Akten habe man damals gar nicht gerechnet. „Wir haben gedacht, dass das Interesse nach zehn bis 15 Jahren nachlässt, aber das ist nicht so.“ Oftmals seien es sogar noch die Kinder von Personen, die ihre Eltern dazu brächten, einen Antrag auf Akteneinsicht zu stellen.
Weniger Stasi-Mitarbeiter als viele denken
„Das Misstrauen zwischen Menschen ist eine Begleiterscheinung jeder Diktatur“, sagte Birthler. Für Viele habe der Blick in ihre Unterlagen neben oft enttäuschenden Dingen aber auch Gutes hervorgebracht: „Jetzt weiss ich endlich, dass ich meinen Leuten wirklich vertrauen konnte.“
Ein erstauntes Raunen ging durch den Saal, als Birthler die Frage ans Publikum auflöste, wie viel Prozent der 17 Millionen DDR-Bürger denn 1989 für die Stasi gearbeitet haben. „Es waren weniger als zwei Prozent, aber die Schätzungen gehen immer bis in den zweistelligen Bereich, wenn ich diese Frage stelle“, sagte sie. Es sei von der Stasi gewollt gewesen, dass es eine gefühlte Überwachung gibt.
Stasi wenig angesehen
Auch hätten viele Promis, denen man die Tätigkeit für die Stasi nachgewiesen habe, später gesagt, dass man das doch machen musste. „Glauben Sie das bitte nicht“, appellierte Birthler an die Zuhörer. „Man musste nicht für die Stasi arbeiten und es galt sogar als unanständig in der DDR, das zu tun.“ Denn auch dort habe der moralische Grundsatz gegolten, seinen Nachbarn nicht zu bespitzeln.
Heute sei es der gesetzliche Auftrag ihrer Behörde, die Methoden der Stasi zu erforschen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. „Denn durch die Auseinandersetzung mit dieser Thematik können wir Freiheit und Demokratie wieder schätzen lernen“, so Birthler.
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