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Medienhaus Lensing
11.03.2010 17:06 Uhr
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Familienkonflikt: "Dafür gibt es keine religiösen oder kulturellen Argumente"

MÜNSTER Welche Strukturen und Traditionen können Menschen dazu veranlassen, ein junges Familienmitglied zu entführen, zu misshandeln und umbringen zu wollen, bloß, weil sie einen deutschen Freund hat? Die 19-jährige Münsteranerin Fatima P.* bangt um ihr Leben. Wir sprachen darüber mit dem Experten Yunus Ulusoy.Von Sabrina Becker

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Yunus Ulusoy, Experte für Türkeistudien in Essen: "Es gibt keine religiösen oder kulturellen Argumente, die Eltern dazu bringen könnten, ihre Tochter umbringen zu lassen." (Foto: pd)

Yunus Ulusoy ist Leiter der Abteilung Modellprojekte der Stiftung Zentrum für Türkeistudien in Essen. Er kennt dieses Verhalten und seine Hintegründe. Akzeptieren will er es aber nicht. "Es gibt keine Kultur, in der ein Mord an der Tochter ein typisches Verhalten ist", sagte Ulusoy im Interview mit unserer Redaktion. In der Türkei komme er aber dennoch in bestimmten sozialen Milieus vor. "Häufig im Südosten des Landes und dabei häufiger in kurdisch geprägten Familien."

In diesen Milieus seien Clanstrukturen verbreitet, so Ulusoy. "Sie pflegen Jahrhunderte alte Traditionen und halten diese hoch." Man sehe dort in mündigen Individuen eine Gefahr für den Ehrenkodex der Familie und der Sippschaft. Ulusoy: "Deshalb sind Verselbständigung, Individualisierung und Persönlichkeitsentwicklung - im Gegensatz zur übrigen Türkei - noch nicht sehr weit fortgeschritten."

"Sie haben in unserem Zeitalter nichts zu suchen"

Alles keine Argumente, ein Verhalten in dieser Art zu rechtfertigen. "Es gibt keine religiösen oder kulturellen Argumente, die Eltern dazu bringen könnten, ihre Tochter umbringen zu lassen", sagte Ulusoy. "Selbst wenn solche Argumente verwendet werden, haben sie in unserem Zeitalter nichts zu suchen."

Warum ein muslimischer Mann besser sei als ein Deutscher? Ulusoy: "Weil man unterstellt, dass die Frau so ihre religiös-muslimische Identität verliert."


* Name geändert.



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