Freier Zugang zum Wissen
MÜNSTER Der freie Zugang zum Wissen, das ist nicht nur eine Forderung der Studiengebühren-Gegner. So setzt sich der Anspruch von Open Access gleichfalls immer stärker durch: also der ungehinderte Zugriff auf wissenschaftliche Informationen.
Immer die Hand an der Tastatur: Prof. Heinz Lothar Grob ist ein Pionier, was E-Learning an der Universität angeht. (Foto: Kessen)
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Ein System, das eine sofortige und kostenlose Verfügbarkeit von Fachinformationen und Materialien bieten soll - und vor einigen Jahren eher aus der Not heraus geboren war: So sahen sich Bibliotheken vermehrt mit horrenden Abonnementskosten für wissenschaftliche Zeitschriften konfrontiert. Auch in der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Münster. "Das war mit eine Ursache", sagt Dr. Stephanie Klötgen von der ULB. Sie ist verantwortlich für den Universitäts-Dokumentenserver "miami". Ein Portal, das wissenschaftliche Artikel, Dissertationen, Audio- und Video-Dateien zur Verfügung stellt. "Es geht um die langfristige Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Veröffentlichungen", so Klötgen. Dabei ist "miami" noch mehr als eine Art Archiv: Sofern es die Promotionsordnungen erlauben, können Doktoranden ihre Arbeit auf diesem Server elektronisch publizieren und viel Geld sparen. "Und sie ist für alle schnell zugänglich."
Vorlesung im Internet
Inhalte für alle, das fordert auch Heinz Lothar Grob, Professor für Wirtschaftsinformatik. Er gilt als Pionier der neuen Medien an der Universität Münster und ist womöglich eifrigster Nutzer von Op-enUSS, der offenen Plattform für computergestützte Hochschullehre. Ob die Folien aus der letzten Vorlesung oder eigene Veröffentlichungen, er stellt Wissen zur Verfügung, "und zwar offen für die ganze Welt". Warum das Wissen verstecken, fragt er und lacht über den Bildschirmrand hinweg: "Es heißt doch immer, die Studierenden sollen noch schlauer werden."
Verbesserung der Lehre
Und dem Image der Hochschule schade diese Verbreitung über das Internet sicher nicht. Zwar könne man den offenen Zugang nicht mit den Systemen der Hochschulen in den USA - das Massachusetts Institute of Technology gilt als Vorreiter von Open Access - vergleichen: "Die Unis geben ihre Inhalte frei, weil sie ihre Ausbildung verkaufen, nicht die Grundlagen." Aber Studien belegten, dass generell multimediale Unterstützung die Lehre verbessere, sagt Grob. Studierende beschäftigten sich intensiver mit dem Lernstoff, eigneten sich mehr Hintergrundwissen an, bereiteten sich besser auf Seminare vor. Vorteile, die sich in den Fächern rumgesprochen haben. "Aber der Nutzungsgrad könnte höher sein."
Das Leistungsvermögen einer Hochschule offen zu legen und damit Transparenz zu fördern, darin sieht Professor Klaus Schubert, Direktor des Instituts für Politikwissenschaft, auch eine Qualitätssicherung. Nur zweifelt er an der konsequenten Umsetzung der Uni. "Voraussetzung ist, dass sich alle Kollegen dieser Offenheit stellen." Ansonsten lohne sich die Investition für den Einzelnen nicht. "Machen alle mit, ergibt sich ein kollektiver Vorteil. Wenn nicht, tragen die Aktiven einen individuellen Schaden davon." Das Problem kennt Professor Grob auch, stört sich aber nicht daran: "Ich freue mich, wenn jemand auf meine Materialien zurückgreift."


































