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Medienhaus Lensing
17.09.2010 11:28 Uhr
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Brückenbauer zwischen den Nationen: Gerhard Hirschfelder wird am Sonntag seliggesprochen

MÜNSTER Der von den Nationalsozialisten umgebrachte Kaplan Gerhard Hirschfelder (1907-1942) wird am Sonntag in Münster seliggesprochen. Es ist die erste Seligsprechung, die im Dom zu Münster zelebriert wird. Dazu erwartet das Bistum rund 4.000 Gäste.KNA/dpa

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Kaplan Gerhard Hirschfelder wird am Sonntag seliggesprochen. 

Die Zeremonie nimmt der Kölner Kardinal Joachim Meisner vor. Hirschfelder hatte sich in der NS-Zeit unter anderem öffentlich gegen die Zerstörung christlicher Symbole gewandt und wurde daraufhin zunächst ins Gefängnis und dann nach Dachau gebracht.  Dort starb er im August 1942 im Alter von 35 Jahren.

Nach Angaben des Bistums ist es die erste Seligsprechung im Dom zu Münster.

Seligsprechungsverfahren 1998 eröffnet


Der Vatikan hatte das Verfahren zur Seligsprechung Hirschfelders im Jahr 1998 eröffnet. Im März erließ Papst Benedikt XVI das dafür notwendige Dekret. Am Sonntag soll Hirschfelder, der aus der schlesischen Grafschaft Glatz stammt, um 15 Uhr „zur Ehre der Altäre“ erhoben werden.

Das Bistum rechnet mit etwa 4.000 Gästen aus dem In- und Ausland. Die Verwaltung und Vertretung der Katholiken aus der ehemals schlesischen Grafschaft Glatz hat ihren Sitz in Münster.

Vorbildlich aus dem Glauben gelebt

Mit einer Seligsprechung wird durch Urteil des Papstes festgestellt, dass eine verstorbene Person vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und in einer Region verehrt werden kann. Papst Benedikt XVI. hatte bereits im März die entsprechenden Dekrete erlassen und das Martyrium Hirschfelders anerkannt.

Die Nationalsozialisten hatten den aus der schlesischen Grafschaft Glatz stammenden Jugendseelsorger wegen seiner Kritik an ihrem Regime im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, wo er starb. Von ihm stammte die bekannte Aussage „Wer der Jugend den Glauben aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“.

In Glatz geboren


Hirschfelder wurde am 17. Februar 1907 in Glatz geboren und am 31. Januar 1932 in Breslau zum Priester geweiht. Als Jugendseelsorger in Grenzeck, dem heutigen polnischen Czermna und früheren tschechischen Nemecka Cermna, und im nahe gelegenen Bystrzyca Klodzka, dem ehemaligen deutschen Habelschwerdt, kritisierte er die NS-Ideologie.

1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Dachau eingeliefert, wo er am 1. August 1942 im Alter von 35 Jahren starb. Für seinen Einsatz als überzeugter Widerstandskämpfer wird Hirschfelder bis heute von Deutschen, Polen und Tschechen gleichermaßen verehrt. Für die Seligsprechung sind in den drei Ländern rund 10.000 Unterschriften gesammelt worden. Viele sehen in Hirschfelder einen „Brückenbauer“ zwischen den Nationen.

Hirschfelder in Münster besonders verehrt


Hirschfelder wird in Münster besonders verehrt, weil die Stadt Sitz der Apostolischen Visitatur für die Priester und Gläubigen der Grafschaft Glatz ist. Gleichzeitig haben die „Grafschafter“ einen besonderen Bezug zum nahe gelegenen Marienwallfahrtsort Telgte.

Die Katholiken der Grafschaft Glatz hatten 1998 den Seligsprechungsprozess für den Priester beantragt, das Bistum Münster hatte die Führung des Verfahrens übernommen.

Konzelebranten im Pontifikalamt

Konzelebranten in dem Pontifikalamt sind nach den Angaben Münsters Bischof Felix Genn, der Prager Erzbischof Dominik Duka, Bischof Ignacy Dec aus dem polnischen Swidnica (Schweidnitz), der frühere Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender, sowie der Dresdner Bischof Joachim Reinelt.

Verantwortlich für das Seligsprechungsverfahren im Bistum Münster war Domkapitular Martin Hülskamp. Bereits vor fünf Jahren hatte das Bistum eine Seligsprechung erlebt: 2005 wurde Münsters früherer Bischof, Kardinal Clemens August von Galen, im Rom „zur Ehre der Altäre“ erhoben. Er hatte die Tötung von Behinderten im Euthanasie-Programm der Nazis angeprangert und damit seinen Ruf als „Löwe von Münster“ begründet.




 




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