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Medienhaus Lensing
16.04.2010 10:10 Uhr
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Forum Liberal: Liberaler Klartext von Wolfgang Clement

MÜNSTER Tut er’s oder tut er es nicht? Als Wolfgang Clement am Donnerstagabend den ABC-Schützenhof betritt, dann stellt sich eigentlich nur diese Frage. Wird der ehemalige SPD-Ministerpräsident 24 Tage vor der Landtagswahl seine Ex-Partei erneut vor den Kopf stoßen – und zur Wahl der FDP auffordern?Von Oliver Koch

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"Forum Liberal": Daniel Bahr (FDP) talkt mit Ex-Ministerpräsident Wolfgang Clement. (Foto: Heiner Witte)

Um es vorwegzunehmen: Er hat es nicht getan. Sehr geschickt gelang es Clement, der als Gast von FDP-Staatssekretär Daniel Bahr nach Münster gekommen war, die Frage zu umschiffen. Und trotzdem bleibt der Eindruck, dass Clement Klartext geredet hat.

Dafür ist er bekannt, deshalb sind viele neugierig auf den Mann. So viele, dass Parkeinweiser benötigt werden und der Saal sehr gut gefüllt ist. Clement erklimmt das zwar blau-gelb, aber ohne FDP-Logo dekorierte Rednerpult und es folgt der erwartete Klartext.

Florett und Holzhammer


In freier Rede geht er mal mit dem Florett, mal mit dem Holzhammer auf alle los, die seiner Meinung nach notwendige Reformen verhindern. Besonders schlecht ist Clement auf die Grünen zu sprechen, deren Politik scheint ihm auch Jahre nach seinem Mitwirken in rot-grünen Bündnissen in Wallung zu bringen.

Durch das propagieren „absurder Tabus“ etwa hätten die Grünen die Entwicklung der Gentechnik verhindert. Technikfeindlich seien diese. „Die Grünen haben maßgeblichen Anteil an der Risikoscheu der Deutschen.“

Demografischer Wandel große Herausforderung


Jeder vierte bis fünfte Hartz-IV-Empfänger habe kein Recht darauf, die größte Herausforderung sei der demografische Wandel und die Zahl der Bundesländer müsse reduziert werden. Der Politprofi sagt all das voll Überzeugung, streut hier mal ein Anekdötchen ein, erntet häufig Lacher aus dem Publikum.

Einmal wird er etwas leiser, ist selbstkritisch: „Man muss Menschen für Reformen gewinnen, meine Stärke war das nicht.“ Ansonsten steuert ihn Fragesteller Bahr durch die aktuellen Themen – immer wieder fällt dabei ein Lob für FDP-Politik ab.

Sympathien klar verteilt

Ob in der Gesundheitspolitik („Wir brauchen eine Gesundheitspauschale mit sozialem Ausgleich“) oder bei der Bildung („Es gibt keine Partei, die sich bei Bildung und Forschung so stark engagiert wie die FDP“) sind Clements Sympathien klar verteilt. Andererseits spricht Clement von „meiner Partei“ – und meint die SPD. Sozial-liberal sei er, sagt er, als ein Besucher sich nicht mit der launigen Antwort zufrieden gibt, Clements politische Heimat sei „in Bonn“.

Genau dort hat Clement vor der Bundestagswahl per Zeitungsanzeige für Erststimmen für Guido Westerwelle geworben. Ausschließen will er eine erneute Empfehlung kurz vor dem Wahltag am 9. Mai nicht.

Stärkere Signale abwarten

„Aber dazu müsste es stärkere Signale aus der SPD geben, dass diese mit der Linkspartei koaliert“, sagt Clement. Der Widerstand in dagegen sei groß. „Viele würden das nicht hinnehmen“, warnt Clement vor einer Spaltung der SPD.

Kein Parteibuch

Kritik an seinem Auftritt bei Bahr versteht Clement nicht. „Ich habe schon bei vielen gesprochen – auch früher bei Jürgen Möllemann“, sagt er. Bahr weist ihn noch darauf hin, dass Clements neues Buch mit 20 Euro in etwa so viel koste wie ein FDP-Monatsbeitrag – dann verlässt Clement mit einer Flasche Rotwein, aber ohne FDP-Parteibuch wieder Münster.



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