Louis Palmer umrundet die Erde mit einem Solarmobil
MÜNSTER Der Mann hat eine Mission, der Mann hat ein Solarmobil und Louis Palmer (36) hat Hunger, großen Hunger. Gierig schlingt er das Brötchen mit einer Scheibe Käse herunter und nimmt einen tiefen Schluck Wasser aus der Plastikflasche.
Artikel aus diesem Ressort
„Das ist genial. Ich fühle mich wie Zuhause. Seit langem höre ich wieder Deutsch“, sagt der große Luzerner mit Vollbart, Brille und Schweizer Akzent, zu dem Helfer des Uni-Arbeitskreises WWUmwelt, der ihm die Speisen reichte. Der Arbeitskreis hatte den Weltenbummler zum Auftakt seiner Umwelt-Thementage nach Münster eingeladen.
Und das kurz vor dem Abschluss von Louis Palmers Mission. Die Mission, einmal um die Welt zu fahren – mit einem Solarmobil. „Und zu zeigen, dass es geht. Dass es funktioniert, ohne einen Tropfen Benzin auszukommen“, sagt Palmer, der anfängt, seine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte, dass er als Elfjähriger in der Schule vom Klimawandel und von Solarmobilen hörte und eines zeichnete. Dass er als Erwachsener seine Urlaube in Afrika oder Südamerika verbrachte und feststellte: „Ja, das stimmt. Es gibt die Erderwärmung.“ Und dass er sich am Ende sagte: „Verdammt, wir haben die Technologie für Solarmobile seit zwanzig Jahren. Wahnsinn, dass wir sie nicht benutzen.“
Deutscher Sponsor
Also ließ Palmer ein Solarmobil als Zweisitzer konstruieren – von vier Schweizer Universitäten und Firmen. Die Finanzierung übernahm ein großer deutscher Hersteller von Solarzellen. „Nur den Scheibenwischer habe ich auf einem Schweizer Schrottplatz gefunden“, sagt Palmer und lacht. „Ich habe nicht das schönste und mit 90 km/h nicht das schnellste Auto, aber es fährt mit Solarzellen und läuft wie ein Schweizer Uhrwerk.“ Die Solarzellen sind auf einem Anhänger platziert. „Das ist nur deshalb, um zu zeigen, dass es mit Sonnenenergie fährt.“
Und seit 16 Monaten fährt und fährt und fährt Palmer mit einem kleinen Begleitteam durch die Weltgeschichte. Seine größte Befürchtung am Anfang der Reise waren nicht etwa Unfälle oder Pannen. „Ich hatte Angst vor der Bürokratie. Was ist, wenn ich nicht durch die Länder fahren darf?“ Von Luzern aus über den Balkan, die Türkei ging alles gut – bis zum Mittleren Osten, bis Saudi-Arabien. „Drei Wochen habe ich vor der Grenze gewartet. Die geben Ausländern wie mir keine Visa.“ Mit Hilfe der Schweizer Botschaft klappte es dann doch. Staatsoberhaupt König Abdullah höchstselbst schaltete sich ein und gewährte die Durchfahrt durch sein Land – mit einer Polizeieskorte 3000 Kilometer durch die Wüste.
Einreise verweigert
Tausende Kilometer weiter ostwärts verweigerte aber Japan partout die Einreise. Die Schweiz hatte nämlich als einziges Land 1946 vergessen, einen wichtigen Staatsvertrag zu unterzeichnen. „Deshalb sind in Japan bis heute keine Schweizer Nummernschilder erlaubt.“ Doch davon ließ sich Palmer nicht entmutigen, fuhr weiter und erntete fast überall Bewunderung und Interesse – auch in den USA. In New York durfte Palmer sogar UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon kutschieren. „Das war das Highlight der Reise.“ Am 18. Dezember ist die vorbei und Louis Palmer hat sie geschafft – seine Mission.



















