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Landgericht
Direktor zahlt 10.000 Euro - Verfahren eingestellt
Von Jörn Hartwich am 8.02.2010 10:28 Uhr
MÜNSTER Im Prozess um sexuelle Übergriffe auf eine Ex-Schülerin (22) hat der Direktor des Schlaun-Gymnasiums am Montag 10.000 Euro gezahlt – 9250 Euro an die Staatskasse, 750 Euro an die Frau, die ihn belastet hat. Im Gegenzug wurde das Strafverfahren vor dem Landgericht Münster eingestellt.
Foto: Archiv
Das schnelle Ende des Prozesses kam auf Vorschlag des Gerichts zustande. Die 12. Strafkammer hatte zwar noch weitere Zeugen geladen, doch die bereits anwesenden drei jungen Frauen wurden erst gar nicht mehr gehört.

Hintergrund der Einstellung war die Überlegung der Richter, ob die Aussage der Hauptbelastungszeugin (22) zu einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung (Mindeststrafe ein Jahr) ausreichen würde. Dazu hätte bei dem Übergriff Gewalt eingesetzt werden müssen. Nach Ansicht der Kammer gab es dafür bisher jedoch keine Hinweise.

Wahrscheinlicher, so die Kammer, sei deshalb - wenn überhaupt - eine Verurteilung wegen Beleidigung auf sexuellem Gebiet. In diesem Fall könne wegen der zu erwartenden beamtenrechtlichen Folgen allerdings auf eine förmliche Verurteilung verzichtet werden.

In den Innendienst wechseln?

Nach Ansicht der Richter werde dem Direktor sicherlich nahegelegt werden, in den Innendienst zu wechseln – wenn er seinen Beamtenstatus denn überhaupt behalten dürfe. Außerdem habe er bereits unter der Rufschädigung gelitten.

Die Verteidigung stimmte der Einstellung des Verfahrens zu, die Geldauflage wurde sofort an Ort und Stelle bei der Gerichtskasse eingezahlt. Der Verteidiger legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass die Zahlung kein Schuldeingeständnis sei. Wörtlich hieß es im Prozess: „Der Mandant bleibt bei seinem bisherigen Standpunkt, dass er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen.“ Ziel der Zustimmung sei es vielmehr, weiteren Schaden – vor allem von der Schule – abzuwenden.

Noch am selben Tag angezeigt

Dem inzwischen vorläufig suspendierten Direktor war von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, im vergangenen Jahr eine ehemalige Schülerin (22) im Direktoren-Zimmer des Schlaun-Gymnasiums unsittlich an Brust und Gesäß angefasst zu haben. Die 22-Jährige hatte den 57-Jährigen daraufhin noch am selben Tag angezeigt. Bei ihrer Zeugenvernehmung hatte sie außerdem erzählt, dass es noch weitere junge Frauen gebe, die von dem Direktor unsittlich berührt worden seien.
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