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Medienhaus Lensing
26.08.2008 23:22 Uhr
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Offensiv gegen Keime in den Kliniken

MÜNSTER Ein Bakterium, das nur noch auf wenige Antibiotika reagiert, kann gefährlich werden – so wie der Erreger MRSA. Vor allem in Kliniken ist das Risiko einer lebensbedrohlichen Infektion groß. Annette Kessen

Innerhalb von zwei Tagen erhöhte sich die Zahl der Fälle von MRSA in Münsters Krankenhäusern um 27; insgesamt zählte man im letzten Jahr 976 MRSA-Patienten.

Und vielleicht sind es noch mehr: Registriert werden nur „Risikogruppen“, zu denen Menschen mit chronischen Wunden oder Transplantierte zählen. Gerade für diese gut 30 Prozent der Patienten sei die Gefahr einer Infektion groß, sagt Dr. Alexander Friedrich vom Institut für Hygiene an der Uniklinik. Bei jedem Zehnten löse MRSA eine schwere Blutvergiftung aus. Friedrich hat ein Netzwerk mitgegründet, um die Verbreitung des Erregers einzudämmen – mithilfe der Krankenhäuser.

Keine Meldepflicht

Denn eine Meldepflicht für MRSA gibt es nicht, genauso wenig sind die Kliniken zu einer entsprechenden Untersuchung gezwungen. Dafür setzen Münsters Krankenhäuser als Mitglieder des Netzwerkes auf Freiwilligkeit: Sie testen Risikogruppen auf eigene Kosten, pro Patient drei Euro.

Ein Probetest ergab eine MRSA-Träger-Rate von 1,4 Prozent, sagt Friedrich. Kurz nach dem Test sei sie auf 0,4 Prozent gesunken. Kürzlich erhielten Münsters Kliniken ein Qualitätssiegel des Netzwerks, damit verpflichten sie sich für die Fortführung der Tests: Seitdem liegt die Rate wieder bei 1,4 Prozent. Für Friedrich – paradoxerweise – ein gutes Zeichen: „Wir wissen, dass es die Bakterien gibt und gehen jetzt offensiv damit um.“

"Sanierung" ist möglich

Friedrich setzt auf Vorbeugung. „Denn viele tragen MRSA auf der Haut oder in Nase und Rachen, ohne es zu wissen.“ Das sei erstmal nicht riskant – bis sich die Erreger im geschwächten Körper ausbreiten könnten: „Darum ist es wichtig, vor einer Operation oder dem Krankenhausaufenthalt zu handeln.“ MRSA lasse sich „sanieren“.

Die Ausgabe von Antibiotika stärker kontrollieren, ambulante Weiterbehandlungen vorantreiben, Hände-Hygiene verbessern – das soll die Bakterien bekämpfen. In Holland habe man MRSA gut im Griff, in Deutschland sei man auf gutem Wege. Schlusslicht ist England: Dort werden Patienten ohne MRSA isoliert.


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