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Medienhaus Lensing
28.02.2011 08:00 Uhr
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Protest im Netz: Politiker Malte Spitz veröffentlicht seine Telefondaten

MÜNSTER Ob Malte Spitz gerade Freunde in Münster besucht, auf einer Veranstaltung über Internet-Sicherheit spricht oder sich in seiner Wohnung in Berlin ausruht, ist nicht bekannt. Aber jeder kann im Internet verfolgen, wo er zwischen August 2009 und Februar 2010 war. Spitz, langjähriges Mitglied des Grünen-Kreisverbands Münster, hat das selbst veröffentlicht, aus Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung.Von Caterina Metje

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Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen, veröffentlicht seine Telefondaten im Internet. (Foto: dpa)

Fraglos ist er der richtige Mann für diese Aktion: Er reist viel, er telefoniert viel, er ist im Internet aktiv – und im Bundesvorstand der Grünen. Er gilt als Netzpolitik- und Datenschutz-Experte. Die Idee, seine Handydaten zu veröffentlichen, hatte der 26-Jährige im Herbst. Die eigentliche Geschichte begann viel früher – in der Startphase der Vorratsdatenspeicherung: „2009 habe ich in der Sommerpause zweimal meinen Handyanbieter T-Mobile angeschrieben und um Überstellung der über mich gespeicherten Datensätze gebeten“, erzählt Spitz. Erfolglos.

Spitz klagte Daten ein

Ende August 2009 klagt er auf Herausgabe der Daten. Noch während das Verfahren läuft, entscheidet das Bundesverfassungsgericht: Die Vorratsdatenspeicherung ist verfassungswidrig. Alle Daten müssen gelöscht werden. Der Politiker und sein Telefonanbieter einigen sich außergerichtlich.

Im Frühjahr 2010 findet Malte Spitz eine CD in seinem Briefkasten. 35 000 Datensätze, ein trockenes Protokoll darüber, wo er wann war und wann er telefoniert oder Textbotschaften ausgetauscht hat – allerdings nicht, mit wem.

Bewegungsprofil im Netz

Erst ein halbes Jahr später beschließt er, die Daten zu veröffentlichen, um darauf aufmerksam zu machen, was Handyanbieter über ihre Kunden wissen. Im Januar kommt er mit „Zeit online“ ins Gespräch. Seit wenigen Tagen steht sein Bewegungsprofil nun als Animation auf der Homepage der Wochenzeitung.

Mit E-Mails und Twitter-Botschaften wird Spitz seither regelrecht überschüttet: „Alle Reaktionen waren sehr, sehr positiv“, sagt Spitz. Alle hätten diesen radikalen Schritt als richtig bezeichnet: „Und schließlich veröffentliche ich ja nur meine eigenen Daten.“ Einige Absender haben seine Aufenthaltsorte kommentiert: „Hier, die Wahlkampfveranstaltung, da war ich doch auch!“

Aufmerksamkeit schaffen

Mit seiner Aktion möchte Spitz Aufmerksamkeit schaffen und dazu beitragen, dass die Vorratsdatenspeicherung nicht wiederkommt. „Selbst die FDP will die anlasslose Speicherung wieder zum Leben erwecken. Und das ist nicht nur ein technischer Akt. Es muss deutlich werden, dass das unverhältnismäßig stark in die Privatsphäre eingreift“, sagt er.

Verbrecher ließen sich auch verfolgen, ohne gegen die Bürgerrechte zu verstoßen: „Man kann nicht 82 Millionen Leute unter Generalverdacht stellen, um 20 000 Kriminalfälle aufzuklären. Wir haben seit einem Jahr keine Vorratsdatenspeicherung mehr, und dennoch werden Entführungen und Morde aufgedeckt.“


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