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Medienhaus Lensing
23.02.2012 14:43 Uhr
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Sprengstoffanschlag-Prozess: SMS des Angeklagten: "Wollen nicht verlieren. Alle töten"

MÜNSTER/OSNABRÜCK Viele Drogen, Handybotschaften mit brachialen Nachrichten - der Prozess um den Sprengstoffanschlag im Derby SC Preußen Münster gegen VfL Osnabrück hat mit einer spektakulären Zeugenaussage des Angeklagten, des 24-jährigen Münsteraners Juri C., begonnen. Auch alle vier Nebenkläger traten in den Zeugenstand.Von Thomas Schulzke

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Der 24-jährige Angeklagte Juri C. steht seit heute in Osnabrück vor Gericht. Bei dem Prozess begleiten ihn eine Dolmetscherin und sein Anwalt. (Foto: Schulzke)

Zur besseren Leserlichkeit haben wir den abgeschlossenen Liveticker chronologisch umgedreht.

Erste Meldung 9.23 Uhr:

Schon um 7.40 Uhr standen die ersten Besucher vor dem Landgericht. Insgesamt ist Platz für 50 Zuhörer Ein großes Polizeiaufgebot kontrollierte im Eingangsbereich. Der Prozess begann um 9.15 Uhr im Saal 272. 23 Pressevertreter haben sich akkreditiert.

Dem 24-jährigen Böllerwerfer droht eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Insgesamt sieben Verhandlungstage sind angesetzt. Am heutigen Dienstag werden die ersten fünf Zeugen gehört. Da der Angeklagte ein Italiener ist, wurde ein Dolmetscher engagiert.

Der Prozess beginnt kurz vor dem Rückspiel des VfL Osnabrück bei Preußen Münster am Samstag. Die Oberbürgermeister beider Städte und die Vereinspräsidenten beider Clubs forderten die Fans zu friedlichem Verhalten auf. Im vergangenen September hatten schon vor dem Stadion VfL-Fans Polizisten mit Böllern angegriffen. Der Münsteraner soll am 10. September bei der Partie des SC Preußen Münster beim VfL Osnabrück mit einem Böller 33 Menschen teilweise schwer verletzt haben, darunter fünf Kinder.

Nach der Begegnung gab es Auseinandersetzungen mit Münsteraner Fans. Die Krawalle um das Spiel waren auch beim DFB auf Kritik gestoßen.

Update 10.19 Uhr: Erste Pause im Prozess: Bisher hat nur der Angeklagte ausgesagt. Seine Aussagen sind spektakulär.

Er habe vor dem Spiel mit einem Freund zwei Flaschen Wodka getrunken und "Drogen durch die Nase" genommen. Vor und im Stadion habe er darüber hinaus mehrere Joints geraucht.

Den Böller habe er nur für einen Freund ins Stadion geschmuggelt. Als er diesen nicht fand, habe er den Böller selbst geworfen. Er betonte ausdrücklich, dass er auf das Dach des Spielertunnels gezielt habe, nicht auf den Block mit den Vfl-Fans.

Wie glaubwürdig diese Version ist, wird sich im Laufe des Prozesses zeigen: Der Richter berichtete von einem SMS-Wechsel mehrere Wochen vor dem Spiel zwischen dem Angeklagten und einem Freund, der Stadionverbot hat. Dieser habe dem Angeklagten geschrieben: "Bitte Osnabrück töten". Darauf habe der Angeklagte geantwortet: "Wollen nicht verlieren. Alle töten."

Update 11.17 Uhr: Unser Reporter ist kurz aus dem Gerichtssaal herausgeschlüpft, um uns weitere Details zur Aussage des Angeklagten zu berichten: Juri C. gab an, zwei Gramm Speed genommen und fünf Joints geraucht zu haben. Die Drogen hätte er sich auf dem Bremer Platz besorgt

Im Gerichtssaal sind auch vier Nebenkläger anwesend.

Update 12.29 Uhr: Vier Zeugen haben mittlerweile ausgesagt, ein Fünfter fehlte mit einem ärztlichen Attest. Der erste Zeuge, ein schon vorher halb tauber Mann, der zum Zeitpunkt des Böllerwurfes im VfL-Block stand. Trotz seiner Hörbehinderung beschrieb er den Knall als "ziemlich tüchtig". Die Stufen der Tribüne hätten gebebt.

Die restlichen drei Zeugen waren Preußen-Fans, die an diesem Tag auch im Osnabrücker Stadion waren. Einer von ihnen war der Freund des Angeklagten, mit dem Juri C. vor dem Spiel zusammen war. Er sagte aus, dass sich die beiden nur eine Flasche Wodka gekauft hätten, außerdem bestätigte er, dass Juri C. Drogen konsumiert habe. Vom Böller habe er nichts gewusst.

Die beiden anderen Zeugenaussagen brachten keinen Erkenntnisgewinn: Der eine nahm sein Aussageverweigerungsrecht in Anspruch, der andere konnte sich nur noch an Fragmente des Tages erinnern.

Das Gericht wird nach der Pause erstmals eines der 33 Opfer des Sprengstoffanschlags in den Zeugenstand rufen.

Update 14.43 Uhr: Der erste Verhandlungstag ist vorbei. Um 14.08 Uhr bekam der Angeklagte wieder Handschellen angelegt und wurde zurück ins Gefängnis gebracht.

Zuvor hatten die vier Nebenkläger - alles Polizisten, die damals im alten Spielertunnel verletzt worden waren - im Zeugenstand von ihren Verletzungen berichtet. Einer der vier Nebenkläger ist immer noch arbeitsunfähig. Er habe so einen starken Tinnitus, dass er nachts davon aufwache. Er könne nicht mehr schlafen.

Insgesamt leiden drei von vier Nebenklägern immer noch an Tinnitus, haben also permanent einen durchdringenden Ton im Ohr.

Zur Unterstützung des Angeklagten waren zehn bis 15 münstersche Ultras der ehemaligen Curva Monasteria nach Osnabrück gereist. Bevor Juri C. wieder abgeführt wurde, durfte er sich von jedem seiner Unterstützer verabschieden - und zwar auf italienische Art, links und rechts mit Küsschen. 

Auch einige Osnabrücker Ultras saßen bei der Verhandlung im Publikum. Es gab jedoch keinerlei Vorkommnisse zwischen den verfeindeten Lagern.


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