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Medienhaus Lensing
25.04.2008 00:09 Uhr
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Unfreiwilliges Werben für die Musikhalle

MÜNSTER Hans-Dieter Hunscher (53) hatte seine Stimme schon abgegeben. Er hatte „Ja“ angekreuzt und damit beim Bürgerentscheid gegen die Musikhalle gestimmt. Umso überraschter war er, als er an der Wolbecker Straße sein Gesicht auf einem Plakat der Musikhallen-Befürworter entdeckte.Ralf Heimann

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Da waren noch alle für Kultur: Am 20. Mai 2004, als Münster sich um den Titel Kulturhauptstadt bewarb und 2000 Menschen auf dem Prinzipalmarkt für ihre Stadt warben. (Foto: Witte)

Hans-Dieter Hunscher ist auf dem Foto nicht alleine abgebildet. Er steht inmitten hunderter Menschen auf dem Prinzipalmarkt, reißt seine Arme in die Höhe und jubelt. Das war am 20. Mai 2004, als Münster sich um den Titel Kulturhauptstadt bewarb und 2000 Menschen auf dem Prinzipalmarkt für ihre Stadt warben. Jetzt wirbt die SPD mit dem Motiv für die Musikhalle, auf Plakaten und der Titelseite ihrer „Stadtzeitung für Münster“.

Rolling-Stones-Zunge

Wolfgang Krause (58) hat sich an der Hammer Straße auf dem Werbeplakat entdeckt. Er steht ganz vorne, trägt eine schwarze Mütze, darauf ist die herausgestreckte Rolling-Stones-Zunge zu sehen. Auch er ist dagegen, dass die Stadt eine Musikhalle mitbezahlt und fühlt sich daher „für einen politischen Zweck missbraucht, den ich nicht unterstütze“. Die Menschen seien nicht auf die Straße gegangen, um für die Musikhalle zu demonstrieren. Ðas eine habe mit dem anderen nichts zu tun. „Da wird Schindluder getrieben“, sagt Krause. Was man gegen das Plakat tun kann? „Man kann sich nur ärgern.“

Weil Hans-Dieter Hunscher das nicht genügt, hat er eine E-Mail an die SPD geschickt. Darin schreibt er: „Diese Menschen im Sinne irgendeines Votums zur Musikhalle zu vereinnahmen, ist unseriös und abstoßend.“

Die SPD erklärt in ihrer Antwort, warum sie den Bau einer Musikhalle befürwortet. Über das Foto ist nichts zu lesen. Hans-Dieter Hunscher sagt, es sei „so eine Wischiwaschi-Antwort“.

Rechtsstandpunkte

Ein Anruf bei der Geschäftsstelle des SPD-Unterbezirks: Geschäftsführer Josef Krause kennt die Vorwürfe von Wolfgang Krause und Hans-Dieter Hunscher. Er sagt, es gehe um „unterschiedliche Auffassungen von Rechtsstandpunkten“. Die SPD vertritt den Standpunkt, dass durch die Verwendung zu ihren Zwecken keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Die Stadt habe das Foto herausgegeben. Es sei öffentlich und frei verwendbar.

Natürlich wollte Hans-Dieter Hunscher das so nicht glauben. Aber ein Experte sagte ihm, juristisch habe er keine Chance. Selbst wenn Persönlichkeitsrechte verletzt würden, ließe sich an der Verbreitung der Bilder kaum noch etwas ändern. Der Bürgerentscheid endet übermorgen. Die Zeitungen sind längst per Post verschickt. Hans-Dieter Hunscher weiß, dass er nichts mehr tun kann. Er sagt: „Trotzdem, ich will zumindest protestieren.“



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