Verheiratet, ein Baby – und lesbisch
MÜNSTER Wenn Tanja und Sabrina Kolhosser mit dem Kinderwagen durch Gremmendorf schieben, fragten die Leute immer, wer denn Mutter und wer Tante sei. Früher küssten sich die zwei, heute sagen sie nur noch: „Wir sind beide stolze Eltern.“ Was dann folgt, ist betretenes Schweigen.
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„Nie allein für sich“
Einige Leute starrten sie unverhohlen an, tuschelten hinter ihrem Rücken, ab und zu bekamen sie schlechte Witze zu hören. Das Gerede mache sie müde, sagt die 26-Jährige. „Man fühlt sich beobachtet, ist nie allein für sich.“ Sie selbst lasse sich nicht verunsichern, ihre Lebenspartnerin Tanja schon: „Ein Kuss in der Öffentlichkeit ist mir mittlerweile unangenehm, da gucke ich mich vorher genau um.“ Ärgerlich und traurig, sagt sie. „Aber um des lieben Friedens willen lassen wir es.“
Gleichermaßen verstörend, aber wesentlich angenehmer seien die verwunderten Reaktionen, sagt Tanja Kolhosser. „Wir erleben immer wieder, dass viele Leute nicht wissen, dass sich zwei Frauen verheiraten können.“ Man kennt sie unter Homo-Ehe, die gleichgeschlechtliche Partnerschaft – und diese ist seit gut sieben Jahren in Kraft. Wenn die beiden mit ihrer sechs Monate alten Holly an der Bäckertheke stehen, einkaufen gehen oder auf den Spielplatz, trauten sich schon mal einige Leute zu fragen. „Seit wann ich weiß, dass ich Frauen liebe, wie wir uns gefunden hätten, woher das Kind kommt – solche Sachen.“ Zeigten sich die Leute interessiert, neugierig, freut es die zwei, aber: „Das zeigt, dass noch viel an Aufklärung passieren muss.“
Sabrina hat sich bereits mit 15 Jahren „geoutet“, Tanja Kolhosser erst 2004, als sich die beiden in Hamburg kennen gelernt haben. Da war sie 27 Jahre alt. Seitdem habe sie ihre besten Freunde von damals verloren, sagt Tanja Kolhosser. Sie kapselten sich ab, reagierten schockiert, teilweise erbost. Eine Freundin habe es als pervers bezeichnet, ein Baby gemeinsam großziehen zu wollen. „Enttäuschend.“
Mama und Mami
Holly ist die leibliche Tochter von Tanja und eines Mannes, den die Kolhossers selbst ausgesucht haben. Adoption sei Frauenpaaren nicht möglich, die Warteliste für künstliche Befruchtung lang. Der Vater werde sich nicht in das Leben Hollys einmischen. Nur wenn sie es später wünsche. Tanja und Sabrina nennen sich Mama und Mami. „Und sind wie ein normales Elternpaar.“
Sie fühlten sich schon wohl in Münster, echte Intoleranz verspürten sie kaum. Nur sei Münster eben nicht Hamburg oder Köln, wo gleichgeschlechtliche Ehen nichts Besonderes seien. Aber Münster ist auch nicht Senden, wo die Kolhossers 2005 wohnten. Als sie sich da als Frauenpaar vorstellten, habe sie kaum jemand gegrüßt. Im Briefkasten fanden sie einen Zettel, auf dem stand: „Homosexualität ist heilbar.“ Daraufhin zogen sie fort.


















