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Medienhaus Lensing
16.04.2011 07:02 Uhr
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Clemenshospital und Raphaelsklinik: Zwei Krankenhäuser fürchten sich vor Personalpolitik zweier Manager

MÜNSTER Die Mitarbeiter der Raphaelsklinik und des Clemenshospitals sind in Sorge. Sorge darum, dass sie im hart umkämpften münsterschen Krankenhausmarkt einen herben Rückschlag erleben. Jedoch nicht wegen ihrer medizinischen Leistungen. Sondern weil ihnen die Personalpolitik der Krankenhausführung den Ruf ruiniert.Von Stefan Bergmann

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Im Jahr 2008 feierten die Clemensschwestern ihr 200-jähriges Bestehen in Münster. Jetzt steht ihre Personalpolitik in der Kritik. (Foto: Witte)

„Viele Mitarbeiter haben Angst, dass kaputt gemacht wird, was sie sich hart erarbeitet haben: Das Ansehen bei den Menschen, die uns vertrauen.“ Das sagt Oliver Ermonis, Mitarbeitervertreter der Raphaelsklinik.

Was ist geschehen? Warum haben die Mitarbeiter von zwei angesehenen Krankenhäusern in Münster Angst um ihre Zukunft?

Die Clemensschwestern haben Anfang Februar damit begonnen, ihre Führungsstruktur neu zu ordnen. Und das mit aller Macht und hoher Schlagzahl. Der Aufsichtsrat der Krankenhaus-Trägergesellschaft Misericordia sei faktisch entmachtet worden, wird berichtet. Aus lauter Ärger darüber hat dessen Vorsitzender, Generalvikar Norbert Kleyboldt, Anfang Februar sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender niedergelegt.

Rigide Personalpolitik

Alle Macht liegt seitdem bei den Clemensschwestern, die über ihre Maria-Alberti-Stiftung bereits seit längerem 94 Prozent der Anteile an der Misericordia GmbH halten. Und immer wieder fallen bei Gesprächen über die rigide Personalpolitik der letzten zwei Monate drei Namen. Schwester Sofia Terfrüchte, Reinhard Nieper und Joachim Bovelet.

Unter dem Druck des Trios sind bisher gegangen:
› Der Geschäftsführer der Misericordia GmbH, Gregor Hellmons.
› Faktisch auch der Co-Geschäftsführer Joachim Schmitz. Er geht demnächst in den Ruhestand.
› Der Geschäftsführer des Clemenshospitals, Gerhard Tschorn.
› Der Gesamtgeschäftsführer von Clemenshospital und Raphaelsklinik, Hartmut Hagmann. Zwei Monate zuvor war er befördert worden.

Gründe wurden nie genannt. Die Wirtschaftszahlen in beiden Kliniken sind positiv. Keiner von ihnen habe sich dem großen Ziel widersetzt, die beiden Kliniken strategisch neu auszurichten, heißt es aus der Misericordia-Verwaltung.

"Geheimniskrämerei"

„Es gab in der Misericordia lange eine offene Kultur der Kommunikation. Doch inzwischen gibt es eine Kultur der Geheimniskrämerei“, sagt einer, der an strategisch wichtiger Stelle sitzt. Die jetzt freigestellten Geschäftsführer wollten dies nicht mitmachen.

Hartmut Hagmann wollte sich nicht mit einem Zwei-Jahres-Vertrag abspeisen lassen und weigerte sich, seinem Freund Tschorn zu kündigen. Tschorn wurde in aktuellen Verhandlungen über die Verlängerung das Vertrauen entzogen, „man kenne ihn nicht genügend“, hieß es. Tschorn ist seit 15 Jahren im Betrieb.

Die Altersvorsorge zählt

Warum machen die Clemensschwestern dies mit? Wo bleibt die „misericordia“, also die Barmherzigkeit, bei dieser Personalpolitik? Warum schreiten die Schwestern nicht ein, um den Ruf ihres Ordens und ihrer Krankenhäuser zu retten?

Sie hatten 1999 die Maria-Alberti-Stiftung gegründet, um ihren immer kleiner werdenden Orden im Alter abzusichern. „Und ihnen wurde versprochen, dass diese Personalpolitik nötig ist, um die Alterssicherung zu erreichen“, heißt es aus dem innersten Kreis.

In der Kritik stehen erneut: Reinhard Nieper und Joachim Bovelet.

Bovelet war einst Geschäftsführer in der Misericordia. Am 21. August 2001 wurde er „mit sofortiger Wirkung entlassen“. Er leitet jetzt den Vivantes-Klinikenverbund in Berlin. 2009 wurde er jedoch wieder in Münster tätig, und zwar im Vorstand der mächtigen Maria-Alberti-Stiftung. „Das hat bei allen Insidern für Verwunderung gesorgt“, sagt ein damaliger Funktionsträger. Nach Bovelet kam Reinhard Nieper, dem Vernehmen nach ein enger Freund. Nieper hatte bis April 2010 als Geschäftsführer der Gesellschaft der Alexianer-Brüder mbH in Berlin gearbeitet. Er ging „in gegenseitigem Einvernehmen“, so die Gesellschaft. Das ist diplomatisch ausgedrückt für: Es gab mächtig Zoff.

Brandbrief an die Oberin

Wie konnte aber Bovelet zum stärksten Mann avancieren in der Organisation, die ihn einst feuerte? Beobachter bescheinigen ihm ein besonders gutes Verhältnis zu Schwester Sofia.

Heinrich Brüggemann, im Jahr 2001 Generalbevollmächtigter der Clemensschwestern, schrieb am 4. Februar 2011 einen Brandbrief an die Generaloberin, Schwester Charlotte. Es werde zurzeit in den Krankenhäusern verbreitet, dass Bovelet damals nur ausgeschieden sei, weil er „Opfer meiner Machenschaften“ geworden sei. Die wahren Gründe für die Ablösung seien jedoch noch immer „ausführlich belegbar“. Brüggemann droht mit rechtlichen Schritten, wenn diese für ihn „ehrabschneidenden Unwahrheiten“ weiter verbreitet würden.

Gegenüber der MZ sagte Brüggemann: „Es kann doch nicht sein, dass solche Personen ihren Hut nehmen müssen, und andere einfach so wiedergeholt werden.“

Reinhard Nieper und Joachim Bovelet waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Schwester Sofia beendete das Gespräch nach wenigen Sekunden.


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