Kirche wird Ritterburg
KINDERHAUS Der erste Vermarktungsversuch ist gescheitert. Jetzt aber ist die Markuskapelle am Borkumweg verkauft worden. Und zwar an die münsterschen Schlaraffen.
Artikel aus diesem Ressort
Pfarrer Winfried Reglitz von der Emmauskirchengemeinde äußert sich zu dem Verkauf der Kapelle gestern nicht. „In ein paar Wochen“, sagt Reglitz, „kann ich mehr dazu sagen“.
Am 2. Oktober, sagt Ritzkopf, werde die neue „Ritterburg“ eingeweiht. Bis dahin seien kleinere Umbauarbeiten nötig. „Grundsätzlich“, sagt Ritzfeld, „ist diese Räumlichkeit für unser schlaraffisches Spiel sehr geeignet“.
Schlaraffen-Spiele sind eine Art Ritterspiele. Die Teilnehmer tragen Pilgerkappen, Ritterhelme und Sturmhauben. Der Ablauf der Abende, „Sippungen“ genannt, ist dem höfischen Leben und dem Rittertum nachempfunden. Dabei persiflieren die Schlaraffen den Alltag. Die Kultur (Vorträge, künstlerische und musikalische Darbietungen) hat dabei ihren festen Platz. Die „Sippungen“ finden ausschließlich in den Wintermonaten statt. Man trifft sich einmal pro Woche.
Kirche ist entwidmet
„Daher spricht auch nichts dagegen, dass die jetzigen Nutzer bleiben können“, sagt Ritzkopf. Dazu gehört zum Beispiel die „International Gospel Church“. Günter R. Woltering, der für diese Kirche die Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat, sagt gestern nach Rücksprache mit den Gemeindeältesten: „Wir hätten die Markuskapelle natürlich gerne selber gekauft, uns fehlt aber das Geld“. Jetzt hege man Befürchtungen, dass man sich eine neue Bleibe suchen müsse. Dazu (siehe oben) besteht aber wohl kein Anlass.
Die Markus- jetzt Emmauskirchengemeinde nutzt die Markuskapelle seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Seitdem gibt es Überlegungen, das Gebäude, das von der Landeskirche längst als Gottesdienstraum „entwidmet“ worden ist, zu verkaufen.
Warum das Projekt "Wohnen mit Kirche" gescheitert ist
Vor ziemlich genau drei Jahren, am 14. März 2005, hatte das Presbyterium der damaligen Markuskirchengemeinde zu einer Pressekonferenz eingeladen. Thema: Vermarktung der Markuskapelle. Man hatte Investoren gefunden, die auf dem Eckgrundstück Borkumweg/Bröderichweg acht seniorengerechte Wohnungen bauen wollten. Das Besondere daran: Zu jeder Wohnung sollte ein Stück der 1955 erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Markuskapelle gehören. Die Kirche als Gemeinschaftseigentum – nutzbar zum Beispiel für Feste, Ausstellungen, Konzerte.
Ein ansprechendes Konzept, keine Frage. Allein: es fehlten die Interessenten. Bis Ende letzten Jahres stand das Baustellenschild. Dann hat es die Emmauskirchengemeinde entfernen lassen. Das Projekt „Wohnen mit Kirche“ war endgültig gestorben. „Es ist“, sagt der Architekt Uwe Lohkamp gestern, „in der Vermarktung stecken geblieben“. Als Gründe nennt er eine nicht optimale Lage: „Die Nahversorgung ist schlecht, der Verkehrslärm stört“, sagt Lohkamp. In Kinderhaus gebe es offenbar wesentlich attraktivere Standorte für Seniorenwohnungen.


















