13. Februar
Großer Karnevalsumzug in Wolbeck
Durch Wolbeck zieht der größte närrische Umzug der Stadtteile. mehr...
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HILTRUP Schon lange halten sich in Hiltrup die Gerüchte, dass das münstersche Handelsunternehmen Stroetmann an dem Gelände rund um den sanierungsbedürftigen Bahnhof am östlichen Ende der Marktallee interessiert sei. Jetzt gibt es Gewissheit: Die Firma kauft dort systematisch Immobilien. Dort soll, so heißt es im Stadtteil, ein Edeka-Markt entstehen.
Ralf und Sindy Wolter fürchten, dass ihr Vermieter auf dem Gelände ihres Hauses einen Supermarkt bauen will. (Foto. Thomas Thiel)
Es ist einsam geworden rund um Sindy und Ralf Wolter. Denn seit einiger Zeit kommen dem Ehepaar, das in der Marktallee 90 wohnt, die Nachbarn abhanden. Im Haus nebenan ist bereits allen Mietern gekündigt worden. Nun haben die Wolters Angst, ihnen könnte das Gleiche passieren.
Der Grund: Das münstersche Handelsunternehmen Stroetmann kauft seit Anfang des Jahres hier, wo Hiltrups Hauptstraße nur noch eine kleine Stichstraße ist, die zum Bahnhof führt, systematisch alle Gebäude an der Häuserzeile auf.
Stroetmann steht im Grundbuch
Das Landgericht Münster bestätigte auf MZ-Anfrage, dass sich drei der vier fraglichen Gebäude bereits im Besitz Stroetmanns befinden. Für das fehlende Grundstück, die Hausnummer 92, wurde zum 12. August eine Auflassungsvormerkung ins Grundbuch eingetragen, sozusagen die letzte Vorstufe des Kaufes. Laut MZ-Informationen wurde allen Mietern des Hauses vor rund zwei Wochen „fristgerecht“ zum 30. August 2011 gekündigt.
Offiziell hört man nichts über die Vorgänge an der Marktallee. „Ich möchte mich nicht dazu äußern“, sagte Max Stroetmann, Geschäftsführer des Handelsunternehmens. Von Seiten des Hiltruper Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt heißt es: Kein Kommentar. „Ich habe davon keine Kenntnis“, sagt Dirk Lohaus, Leiter des städtischen Bauordnungsamtes.
Überall hört man: Kein Kommentar
Denn Stroetmanns Aktivitäten finden in einem sehr sensiblen Umfeld statt. Das hängt mit der ungewissen Zukunft des benachbarten Hiltruper Bahnhofsgebäudes zusammen. Das Haus ist denkmalgeschützt, steht jedoch seit Jahren leer und verfällt langsam.
Zwar gibt es noch einen Interessenten, doch laut Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt ist es nicht sicher, dass dieser die Sanierung tatsächlich übernimmt. Und eines will Schmidt definitiv vermeiden: „Dass auf dem Gelände neu gebaut wird, während nebenan der Bahnhof vergammelt.“
Mieter fürchten Kündigung
Auch wenn sich Stroetmann nicht dazu äußern will, deutet vieles darauf hin, dass die Firma dort mittel- und langfristig einen Supermarkt bauen will. Doch dazu müssten erstmal die Bewohner aus den Wohnungen verschwinden. Und genau das macht Sindy und Ralf Wolter Sorge: Die beiden vermuten, dass ihr Vermieter, der seit dem 8. Januar Stroetmann heißt, sie vor die Tür setzen will.
Schon seit geraumer Zeit werde an ihrem Haus nichts mehr gemacht, beklagen sie: "Ein Mitarbeiter Stroetmanns hat uns sogar mal gesagt, dass das doch sowieso nichts mehr bringen würde", behauptet Sindy Wolter. Ein weiteres Indiz dafür, dass ihr Vermieter eigentlich gar nicht mehr vermieten wollte, sei die Wohnung über ihnen.
"Die schaffen Fakten!"
"Die steht seit Monaten leer, obwohl es genug Interessenten für sie gibt.", berichtet sie. Für ihren Gatten Ralf ist die Sache klar: "Die schaffen Fakten! Die machen das hier zu einer Geisterstraße, dann kann später schneller was Neues gebaut werden." Stroetmann will sich zu dem Thema nicht äußern.
Ein Blick die Straße runter liefert wenig Gegenargumente für diese These: Schon seit einiger Zeit stehen die Gebäude 96 und 94 leer, die Tanzschule und der Second-Hand-Shop sind ausgezogen. Das gleiche Schicksal wird nächstes Jahr das Nachbarhaus mit der Nummer 92 ereilen. Hier haben die Mieter Mitte August ihre Kündigungen erhalten. Die Einschläge kämen näher, meinen die Wolters.
Mieter wollen bleiben
Kamal und Janati Najafzadeh sind bereits getroffen worden. Das iranische Ehepaar betreibt seit 13 Jahren eine Änderungsschneiderei im Erdgeschoss der Marktstraße 92. Doch nächstes Jahr ist Schluss, das hat Kamal schwarz auf weiß in einem leicht zerknüllten Briefumschlag. Darin bewahrt er das Kündigungsschreiben auf, das ihm sein Vermieter geschickt hat.
Dabei möchten die Najafzadehs bleiben. "Uns gefällt es hier", sagt Kamal. Trotzdem werden sie ausziehen. "Ein Gerichtsverfahren ist mir zu unsicher, ich habe Angst vor den Kosten." Das sehen Sindy und Ralf Wolter anders: Sollte Stroetmann versuchen, ihnen zu kündigen, wollen sie um ihre Wohnung kämpfen: "Wir gehen nicht weg", sagt Sindy Wolter mit Nachdruck, "wir bleiben auch hier sitzen, wenn die Abrissbirne kommt."
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