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Billig und trotzdem gut
am 29.01.2008 22:16 Uhr
MÜNSTER Auch wenn Studiengebühren längst erhoben werden, ist der Streit um die Einführung anscheinend nicht vorbei. Der Ansicht ist auch Professor Alexander Dilger vom Institut für Ökonomische Bildung der Uni – und er bleibt dabei: Studiengebühren in der jetzigen Form sind ökonomisch unsinnig.

Herr Professor Dilger, je teurer etwas ist, desto größer das Ansehen. Stimmt das?
Dilger: In der Regel ist das umgekehrt. Eine Universität besitzt ein bestimmtes Ansehen, und wenn sie das Studium dann noch umsonst anbieten kann, ist das viel besser: Die Leute drängeln sich, man sucht sich die besten aus und das Ansehen steigt.

Und warum ist dann zum Beispiel Harvard so teuer?
Dilger: Harvard hat sein hohes Ansehen, da drängeln sich die Leute, und dann sagt man in Harvard, wir nehmen Geld dafür –  und die können mehr nehmen als andere.

Also kommt das Ansehen vor dem Geld – aber Befürworter der Studiengebühren behaupten gerne: Was nichts kostet, ist nichts wert.
Dilger: Der Satz an sich ist schon unsinnig. Was nichts kostet, kann sehr wohl wertvoll sein. Daher ist das Argument fehlerhaft, nehmen wir nur einmal die Luft zum Atmen. Zudem ist das Studium nicht kostenlos, irgendwer muss dafür aufkommen. Außerdem ist ein Studium an sich wertvoll.

Aber ein Studium in Harvard ist wertvoller als hier.
Dilger: Wenn mehr Geld investiert wird, kann man natürlich auch bessere Lehre anbieten. Aber man muss von gegebener Qualität ausgehen: Wir haben schon die Professuren, eine bestimmte Ausstattung, und dann wäre die Frage, ob dadurch, dass es billiger wird, es den Studierenden weniger wert ist. Meine Antwort wäre nein.

Aber Qualität muss doch geschaffen werden –  nach Meinung der Landesregierung eben mit Hilfe von Studiengebühren.
Dilger: So wie das deutsche Universitätssystem ist, führen Studiengebühren, vor allem in der jetzigen Form, nicht dazu, dass es besser wird.

Wieso nicht?
Dilger: Der Staat finanziert die Universitäten sowieso, und jetzt soll der Student „on top“ noch ein wenig dazu beitragen. Allerdings dürfen wir die Gelder nur für bestimmte Verbesserungen der Lehre verwenden – also zum Beispiel Tutorien anbieten oder neue Bücher kaufen. Wir dürfen aber keine neuen Professoren einstellen, sondern nur etwas Kleines nebenher anstellen. Ich denke, wenn es schon Studiengebühren gibt, dann sollte man die Gelder für alles Sinnvolle verwenden dürfen. Da dies nicht so ist, sind die verbleibenden Maßnahmen das Geld nicht wert.

Doch sie sind besser als nichts, oder?
Dilger: Natürlich lässt sich kaum beweisen, dass sie das Geld nicht wert sind, aber es gibt ein ganz starkes Argument dafür, dass sie es nicht wert sind: Die meisten Studierenden wollen die Gebühren nicht. Sie empfinden also den zusätzlichen Nutzen als nicht so stark wie die Kosten von 275 Euro.

Wenn der Student nun aber die Verbesserung unbedingt will?
Dilger: Dafür müsste man die traditionelle Lehre und die gebührenfinanzierten Zusatzleistungen zumindest aus ökonomischer Sicht wieder entkoppeln.

Brauchen wir womöglich höhere Studiengebühren?
Dilger: Nein, wenn Gebühren sinnvoll sein sollen, dann höchstens in ganz anderer Ausgestaltung. Die meisten Ökonomen befürworten eine Differenzierung nach Studienkosten. Zur Zeit wird aber nur nach der Studiendauer differenziert.

Dann sollte der Student für besondere Angebote also besser extra zahlen?
Dilger: Das wäre eine Möglichkeit: So könnten Tutorien privat organisiert werden. Es gäbe dann nicht mehr ein Studium, das für alle gleich ist, wie schon jetzt viele Jurastudenten zum Repetitor gehen, das aber nicht müssen. Man könnte auch die Kapazitätsgrenze ändern und Zulassungen verschärfen. Ob diese Möglichkeiten gewollt sind, ist eine andere Frage.

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