Serie "Streifzüge": Das erste Mal um den Offlumer See - bei Minusgraden
NEUENKIRCHEN Premiere für zwei, die erst seit ein paar Monaten in Neuenkirchen sind: Céline Kloster, Fremdsprachenassistentin vom AJG und der Realschule, und MZ-Redakteurin Inga Wolter trafen sich, um ihre erste Runde um den Offlumer See zu drehen - und das bei über zehn Grad minus.
Céline Kloster genießt den Blick über den Offlumer See. (Foto: Wolter)
Der See ist zugefroren, ein eisiger Wind weht, aber die Sonne scheint. Außer uns sind nur ein paar Leute mit ihren Hunden unterwegs. Vom Strand aus blicken wir hinüber zum anderen Ufer - ziemlich weit. On y va - auf geht's.
Den See gesucht
Schon als Céline das erste Mal in Neuenkirchen war, wollte sie sich mit ihrer Mutter den Offlumer anschauen: "Es war sehr verregnet", erzählt sie. "Deswegen waren wir nicht in der Stadt, sondern haben uns nur die Realschule angeguckt. Zum Offlumer See wollten wir aber fahren, doch sie waren gerade dabei, den Kreisverkehr zu bauen. Deswegen hat uns das Navi nicht zum See geführt."
"Das erste Mal war ich hier im Dezember für einen Weihnachts-Kaffee mit den Kollegen der Realschule", erzählt Céline. "Aber es war schon abends und ich habe den See gar nicht gesehen." Wir stoppen kurz am Ufer, genießen den weiten Blick über das zugefrorene Eis und machen ein paar Fotos.
Kürbis-Wochenende
"Das zweite Mal war ich im Oktober in Neuenkirchen, als Kürbis-Wochenende war", plaudert Céline weiter. "Wir waren ein Eis essen, es war sonnig, fast schöner als im Sommer. In Frankreich gibt es keine Fete für den Kürbis. Das ist hier schon ein bisschen komisch." Sie schmunzelt. Zeit, um ein wenig über ihre Heimat zu sprechen. Das ist Vahl-Ebersing in Lothringen, nahe der deutsch-französischen Grenze, ein Dorf mit 600 Einwohnern.
Winzig also, umgeben von Wäldern und Weiden. "Die meisten Leute in Vahl-Ebersing kennen sich", meint Céline. "Wenn etwas passiert, weiß es nach ein paar Stunden jeder." Wie zum Beispiel, als ihre Mutter in der Dorfschule die Fenster putzte, ausrutschte und von der Fensterbank stürzte. Schnell wusste jeder im Dorf: Madame Kloster ist aus dem Fenster gefallen - nur dass sie gar nicht hinaus, sondern in das Haus gefallen war.Legende aus der Heimat
Schnell haben wir die Hälfte der Strecke hinter uns, schauen zum Café hinüber. Auf einer Tafel lesen wir etwas über die Bronzezeit am Offlumer See. Céline zückt das Wörterbuch und schlägt "Bronze" nach. Ihr fällt eine Legende aus ihrer Heimat ein: "Bei uns gibt es einen Stein, der Stein der Römer genannt wird. Der soll sich alle sechs Monate drehen. Je nachdem, in welche Richtung er sich dreht, zeigt er an, wie es für das Dorf und seine Einwohner weitergehen wird." Sie lacht. "Ich weiß aber nicht, ob die Legende stimmt."
Zugig ist's, es wird Zeit für ein paar warme Gedanken. Also sprechen wir übers Essen, über Bonbons aus Nancy, Quiche und die Knödel, die Célines Großmutter macht. Weil sie an der Grenze wohnt, kennt sie deutsches Essen gut. Auch Currywurst: "Die deutsche Mutter einer Freundin hat uns an Partys Currywurst serviert." Auf die Frage, was ihr hier fehlt, antwortet Céline prompt: "Baguette und französischer Käse."
Kino im Kopf
Bei über minus zehn Grad um den Offlumer - wir haben's geschafft. "Wir können uns im Mai nochmal treffen", schlägt Céline vor. "Dann sieht es hier bestimmt ganz anders aus." Und so endet unser Streifzug mit Kino im Kopf: 25 Grad, Sonnenbrille, Eis, auf zur zweiten Runde um den Offi.













