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Medienhaus Lensing
10.02.2012 17:10 Uhr
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Peter Mäder aus St. Arnold: Ein ehemaliger Bürgermeister der DDR erzählt

ST. ARNOLD Peter Mäder arbeitet in einem Casino in Neuenkirchen. Was viele nicht wissen: Zu DDR-Zeiten war er Bürgermeister einer Kleinstadt in Thüringen. Er blickt zurück auf seine Amtszeit und die Wende. Auch erzählt er, wie er das Staatssystem der DDR heute betrachtet.Von Inga Wolter

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Blick ins Fotoalbum: Peter Mäder bekommt die Verdienstmedaille der DDR. Er war zunächst kommissarischer Bürgermeister von Treben, dann Bürgermeister von Lucka.  (Foto: privat)

"Arbeit." - Das ist Peter Mäders Antwort auf die Frage nach seiner Lebensphilosophie. Gearbeitet hat er sein ganzes Leben lang, als Junge in einer Privatbrauerei, dann als Schlosser, schließlich als Lehrmeister. Heute arbeitet der 58-Jährige, der zehn Jahre Bürgermeister in der ehemaligen DDR war, im Manhattan Casino in Neuenkirchen. Bürgermeister konnte er nach der Wende nicht bleiben.

 Erster Arbeitsloser

"Als die Mauer fiel, war mein erster Gedanke: Ich werde der erste Arbeitslose sein", erinnert sich Peter Mäder, der jetzt in St. Arnold wohnt, an den 9. November 1989. "Ich habe mich mit dem Mikro bei uns auf den Marktplatz gestellt und habe vor 1000 Leuten erklärt: Wer in den Westen fahren will, kann jetzt los." So war die Wende in Lucka, einer Kleinstadt südlich von Leipzig, fernab von den turbulenten Ereignissen in Berlin und Dresden.

Wer "Bürgermeister Peter Mäder" bei Google eingibt, wird fündig: An erster Position taucht ein Artikel aus dem "Luckaer Lokalblatt" über eine Fleischerei auf. Darin steht: "Bürgermeister Peter Mäder sorgte für Reparaturmöglichkeiten, damit die Wurstproduktion ohne Verzögerung weiterlaufen konnte."

Das ist es auch, was Mäder als erstes über seine Zeit als Bürgermeister erzählt: "Wir haben viel geschafft." In Lucka gab es, so zählt er auf, zwei Schulen, drei Kindergärten, ein "Ambulatorium" mit einem Kinderarzt, Zahnarzt, Chirurgen. "Und viel Gewerbe gab es", sagt Mäder, das ist es, was für ihn zählt. Er, der Praktiker, der Macher, habe sich um seine Stadt gekümmert. "Heute merke ich den Trend, dass viele Gemeinden immer mehr Verantwortung abstoßen", meint er.

Wunsch-Staat gibt es nicht

"Den Staat, den ich mir wünsche, wird es nie geben", sagt Mäder, der auch SED-Mitglied war. "Die Wirtschaft in der DDR war zwar gesteuert, aber der ausgebildete Kader wurde da eingesetzt, wofür er ausgebildet war." Reisefreiheit befürwortet Mäder, aber ob die funktioniere, hänge vom Einkommen ab. Mäder: "Sozialismus ist immer Diktatur. Demokratie hat aber auch Zwänge."

Ein bisschen kritisch blickt er aber doch zurück: "Wir hätten weniger arbeiten sollen, dann wäre die DDR schneller pleite gewesen." Was war mit den vielen Menschen, die im Gefängnis saßen oder sterben mussten? "Dazu sage ich nichts. So welche kannte ich nicht." Auf dem Land sei er weit weg von Künstlern wie Wolf Biermann und den Ereignissen in den Großstädten wie Berlin gewesen.

Ärger wegen West-Fernsehen

"Aber ich bin auch angeeckt", erzählt er. "Deswegen stand in meiner Akte, dass ich nie Landrat werden sollte." 1987 sorgte er dafür, dass Lucka West-Fernsehen empfangen konnte. Er wurde zum Landrat bestellt: "Was haben Sie sich dabei gedacht?" Mäder sagte, er könne die Antennen ja jetzt nicht wieder alle abbauen. Die Antwort war ein lautes "Raus!". Er ging als Bürgermeister. Heute erzählt er das schmunzelnd, gibt aber zu: "Muffensausen hatte ich schon."

Aber er habe sich nicht verbiegen lassen. Dass er bespitzelt wurde, habe er erst nach der Wende festgestellt, als er in seiner Stasi-Akte las: "Es war Wahnsinn. Auch der Hausmeister der Schule war bei der Stasi." Nach 1990 arbeitete er zuletzt bei der Schmidt Bank, einer Privatbank, die schließlich aufgekauft wurde. Als er arbeitslos wurde, war er 53 - zu alt, um nochmal einen Job als Bänker zu bekommen. Über seine Tochter fand er den Job im Casino, verließ Lucka, wo er lange noch parteiloser Politiker war.

Als er 1990 das Rathaus - die Kasse, die Akten - an seinen Nachfolger übergab, ließ der neue Bürgermeister den Aktenberg fallen und sagte: "Das wird jetzt sowieso alles anders." Mäder heute: "Ich habe nur gelächelt und bin gegangen."

 


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