Jecken erobern den Schlüssel: Rathaus in Narrenhand
NEUENKIRCHEN Das Rathaus, ein Sinnbild der Bürokratie und Herrschaftsbereich eines gewissen Franz Möllering, fiel am Sonntag der fünften Jahreszeit zum Opfer. In Windeseile hatten die Narren dem Bürgermeister den „Schlüssel zur Machtzentrale“ abgenommen.
Von nun an besetzen die Narren das Rathaus. Bürgermeister Franz Möllering hatte keine Chance. (Foto: Stein)
Er und seine Stellvertreterin Jutta ten Winkel mussten sich schnell geschlagen geben.
Mit dem Taxi nach Hause
Fotostrecke Sturm aufs Rathaus
Als kleines Trostpflaster überreichte Ober-Karnevalist Heinz Schmittwilken (Vorsitzender der Vereinigten Schützengesellschaften) dem Bürgermeister ein rotes Kärtchen zum Umhängen, versehen mit Name und Anschrift des Bürgermeisters. „Falls sie mal orientierungslos sein sollten, kann sie der Taxifahrer wohlbehalten nach Hause bringen“, scherzte Schmittwilken.Neben der Vorstellung aller amtierenden Prinzenpaare hatte der VSG-Vorsitzende noch eine wichtige Bekanntgabe zu machen: Seit Sonntag ist auf Geheiß des Landesamts für Karneval-Brauchtumspflege Paragraph 51 der Verordnung 08/15 über die Teilnahme an Rosenmontagsumzügen in Kraft getreten: „De Nienkiäkske Wind“.
Kritik nach Vorschriften-Wahn
„Jeder, der an einem Rosenmontagsumzug teilnimmt, ist verpflichtet, einen formlosen Antrag auf Teilnahme zu stellen“, erklärte Schmittwilken. „Hinzuzufügen ist beispielsweise eine Beschreibung des Kostüms, das getragen werden soll, ein Tauglichkeits-Zeugnis vom Gesundheitsamt sowie der Einkommenssteuerbescheid des vergangenen Jahres“, sagte er. Indirekt kritisierte der Karnevalist damit den Vorschriften-Wahn, der in den letzten Monaten auf die Schützenvereine zu kam.
Muntere Feier in den Kneipen
Doch einen echten Jecken können selbst kuriose Gesetze nicht vom Feiern abhalten. Die Offlumer, die Heithöker, die Sutrum-Harumer, die St. Arnolder – sie alle waren mit dabei am Sonntag, um sich schon einmal für Rosenmontag warm zu feiern. Trotz der Kälte herrschte eine ausgelassene Stimmung auf dem Rathausplatz. Aber dass das Bier gefriert, konnte man natürlich nicht riskieren – weshalb in den Kneipen munter weiter gefeiert wurde.
















