Vor der Entscheidung: Alles rund ums Thema Bundeswehr in Rheine
RHEINE Am Mittwoch wird in Berlin die Entscheidung fallen, auf die Rheine seit Monaten mit Spannung wartet: Bleiben die Heeresflieger der Bundeswehr in der Emsstadt oder wird der Standort geschlossen?
Heute Vormittag wird das Verteidigungsministerium in Berlin verkünden, welche Bundeswehr-Standorte geschlossen werden. Eine Entscheidung, auf die die Heeresflieger in Rheine seit Monaten hinfiebern. (Foto: Dieter Huge sive Huwe)
Seit wann gibt es die Kaserne und den Flugplatz in Rheine?
Die Kaserne gibt es seit 1960. Der dazugehörige Flugplatz wurde bereits im Zweiten Weltkrieg genutzt. Er lag zwischen 1945 und 1960 brach. Das Mittlere Transporthubschrauberregiment 15 ist seit 1971 ansässig, feierte dieses Jahr sein 40jähriges Bestehen.
Wer oder was ist in Rheine stationiert?
Dort ist das Mittlere Transporthubschrauberregiment 15 mit seinen 36 CH53 Helikoptern stationiert, von denen drei derzeit in Afghanistan eingesetzt werden. Dazu kommen weitere Dienststellen wie zum Beispiel das Standortssanitätszentrum oder das Kraftfahrzeugsausbildungszentrum.
Wieviele Menschen beträfe die Schließung?
Insgesamt wären 2200 Menschen direkt betroffen - davon 1800 Soldaten und 400 so genannte Zivile. Ebenso wären die Mitarbeiter der externen Firmen betroffen Dazu gehören etwa die Reinigungsfirmen, die Betriebe, die die gesamten Hausmeistertätigkeiten übernehmen oder die bei den Brötchenlieferanten arbeiten. Auch die bei den derzeitigen Baumaßnahmen beschäftigten Firmen kommen zu 90 Prozent aus dem Umland. "So wären in der Zeit der Bauarbeiten insgesamt ca. 500 Beschäftigte von externen Firmen betroffen", schätzt Personalstabsoffizier Stefan Kühling.
Eine fristlose Kündigung wird wohl niemand erhalten, denn der Großteil der Soldaten sind Zeitsoldaten und damit Beamte auf Zeit. Berufssoldaten sind sogar Beamte auf Lebenszeit und können nicht einfach gekündigt werden. Ihnen wird die Versetzung an einen anderen Standort oder ein Abfindung angeboten werden.
Wieviel würde eine Verlegung kosten?
Eine mögliche Verlegung der Heeresfliegerstaffel zur Luftwaffe an den Standort Holzdorf (Sachsen-Anhalt) würde den Steuerzahler rund 250 Millionen Euro kosten. Zu dieser Schätzung kam Reinhard Schlepphorst, Bundesvorsitzender des fliegenden Personals bei der Bundeswehr (IGTH) vor wenigen Wochen. Denn in Holzdorf müsste die Infrastruktur angepasst werden, dazu kämen Verlegungs- und Ausbildungskosten.
Wieviel wurde in Rheine zuletzt investiert?
Seit 2007 werden ca. 50 Mio Euro für Bauprojekte investiert. Bauarbeiten für ca. 34 Mio Euro sind abgeschlossen wie der Bau einer neuen Großküche. Andere Projekte sind in vollem Gange.
Seit wann steht die Standort-Frage im Raum?
Die Standortdiskussion wurde Ende 2010 im Zuge der Bundeswehrreform vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg angestoßen.
Was wurde bereits entschieden?
Entschieden wurde, dass die CH53-Helikopter künftig nicht mehr dem Heer, sondern der Luftwaffe zugeordnet werden. So soll es statt den zwei Heeresflieder-Regimenten in Rheine und Laupheim künftig nur noch ein Luftwaffengeschwader geben. Zur Frage des Standortes oder zum Zeitpunkt des Übergangs gab es bis gestern hingegen keine Informationen.
Warum gehörten die Helikopter bislang überhaupt dem Heer und nicht der Luftwaffe an?
"Das wurde Anfang der 70er Jahre so entschieden. Warum kann ich heute schwer sagen. Sie sollten das Heer beim Transport von Personal und Gütern unterstützen", sagt Oberstleutnant Markus Kirchenbauer vom Stab der Divisionen luftbeweglicher Operationen.
Wenn der Standort geschlossen wird, ist dann sofort Schluss?
Nein, so schnell wird es nicht gehen. Man geht davon aus, dass sich eine Verlegung bis 2017 hinziehen könnte. Was dann mit dem Areal geschähe, ist noch offen.













