Ärztin aus Ecuador: Auf dem Fahrrad gegen Atomwaffen
RHEINE Deutsche, das weiß Nidia Rodriguez, sind immer pünktlich, sehr gastfreundlich und trinken viel Bier. Das sind jedenfalls die Klischees, die die 28-Jährige grinsend zum Besten gibt, während sie ihre Freundin Anna-Lena Forst in Rheine besucht. Dass ihr Besuch etwas mit Atomwaffen zu tun, glaubt man zunächst nicht.
Na gut, das Fahrrad ihrer Freundin Anna-Lena Forst (l.) ist Nidia Rodriguez doch etwas zu hoch. Mama Elke Forst (r.) gibt von hinten Halt. Heute wollen die drei Frauen Bentalge mit dem Rad erkunden, morgen startet Nidia dann Richtung Basel. (Foto: Miriam Daschty)
„Für mich ist Gesundheit ein Menschenrecht. Schon im Studium habe ich gelernt, dass es für Ärzte selbstverständlich ist, sich immer auch mit der sozialen Situation auseinanderzusetzen“, sagt die Allgemeinmedizinerin aus Quito, die sich beim Studium in Miami mit Anna-Lena angefreundet hat.
Rheine als Beispiel für Norddeutschland
„Wir haben im gleichen Haus gewohnt, mit Studenten aus der ganzen Welt, und sind seither in Verbindung geblieben“, erzählt die Ecuadorianerin. Natürlich war es für Anna-Lena (25) dann Ehrensache, ihre Freundin beim allerersten Deutschlandbesuch mit den hiesigen Gepflogenheiten vertraut zu machen. Ein extremes Kontrastprogramm, waren die zwei doch zuerst in München und dann in Anna-Lenas Heimatstadt Rheine. „Sie hat mich überzeugt, dass es große Unterschiede zwischen der nord- und der süddeutschen Kultur gibt“, sagt Nidia und Anna-Lena fügt lachend hinzu: „Das testen wir mal am Bier aus.“
Begeistert ist die Allgemeinmedizinerin von der Sicherheit in Deutschland. Beim Blick auf die Fahrräder am Rheiner Bahnhof sagte sie verblüfft: „Man kann die einfach stehen lassen, ohne dass sie geklaut werden?“ Denn in Quito ist die Sicherheit ein Problem: Die Ärzte haben vor allem mit den Auswirkungen der großen Verbreitung von Handfeuerwaffen zu kämpfen, sagt die 28-Jährige.
Aufklärung über Strahlungs-Krankheiten
Hier in Europa will sie in den insgesamt elf Tagen aber über Krebs und andere Krankheiten, die durch Strahlung bewirkt werden, aufklären. Auch Politiker wollen die Teilnehmer treffen. Nidia ist hoffnungsvoll: „Ich glaube, uns wird zugehört. Die Menschen sind es ja gewohnt, sich Ärzten zu öffnen.“
Mit Hingabe widmet sie sich der guten Sache, hat sogar Bewerbungsgespräche verschoben. Und: Die junge Frau, deren Heimat auf 2800 Metern Höhe in den Anden liegt, fährt Fahrrad, 700 Kilometer. Wie gut, dass sie vor dem Tourstart drei Tage lang das herrlich flache Land in Rheine genießen konnte.













