Loveparade - die Katastrophe: Betreuer berichtet - er war mit dem Unfassbaren konfrontiert
RHEINE Ein 23-jähriger Betreuer aus Rheine berichtet über das Unfassbare, was er bei der Loveparade in Dusiburg erlebte: Er sprach mit einem jungen Menschen, der zusehen musste, wie sein Freund zu Tode getrampelt wurde.
Kurz vor dem Unglück am Samstag versuchen Menschen am Tunnelausgang in Duisburg über eine Nottreppe zu klettern. Nach der tödlichen Massenpanik bei der Duisburger Loveparade hat die Suche nach Schuldigen begonnen. (Foto: dpa)
Es war der Code "ManV", der dem jungen Mann einen Adrenalinstoß versetzte: "Massenanfall an Verletzten" war die Nachricht, die die freiwilligen Helfer über Funk erreichte. Auch der Rheinenser Phillip (Name v. d. Red. geändert) gehörte zu den 40 medizinischen Betreuern verschiedener Hilfsorganisationen, die sich in einem nahe gelegen Berufskolleg um Jugendliche kümmerten, die dem Schreckensszenario entronnen waren.
"Wir waren 200 Meter Luftlinie von dem Tunnel entfernt und haben die ganze Zeit die Hubschrauber kreisen gehört", erzählt der 23-jährige Sozialpfleger, der seit vier Jahren ehrenamtlich bei einer Hilfsorganisation arbeitet. Eine Aussage ist besonders bedrückend: Über Funk sei mitgeteilt worden, dass es "im Tunnel zu lebensbedrohlichen Situationen" kommen könne und die Tore geöffnet werden sollten. "Das war, bevor die Panik los ging", sagt Phillip.
Mit den Tränen gekämpft
Als dann klar wurde, dass sich tatsächlich eine Katastrophe ereignet hatte, kämpfte auch Phillip trotz seiner Professionalität mit den Tränen. "Jeder Buchstabe, der aus den Menschen kam, war so Mitleid erregend. Die haben Sachen erzählt, die habe ich noch nie gehört", erzählt der junge Mann am Tag danach - noch immer von den Erzählungen der Opfer geschockt.
Tragischerweise musste Phillip nicht nur Jugendliche betreuen, die körperlich unversehrt aus dem Tunnel gekommen waren, sondern auch einen völlig traumatisierten 17-Jährigen.
Schockierender Bericht
"Der Junge war mit Freunden in dem Tunnel und ist von ihnen getrennt worden. Er hat mir erzählt, dass er gesehen hat, wie sein Freund zu Tode getrampelt wurde", sagt Phillip, der versuchte, den Jugendlichen zu beruhigen, irgendwie zu trösten. "Da sitzt dann ein Junge, der dir erzählt, wie sie seinem Freund ein Laken übers Gesicht gezogen haben. In dem Moment hätte ich mitheulen können."
Die Polizei, so hätten viele Zeugen erzählt, habe am Ende des Tunnels versucht, die Masse zu entzerren: Menschen seien herausgezogen worden oder über herabgelassene Seile gerettet worden. Ein schwacher Trost für Phillip - wenn er die Augen schließt, sieht er den verzweifelten Jungen vor sich.













