Loveparade - die Katastrophe: Der 19-jährige Niklas sah, wie die Panik ausbrach
RHEINE Geschockt und hilflos stand Niklas S. am Samstag auf einer Brücke und beobachtete die grauenhaften Szenen, die sich vor seinen Augen abspielten. Der Rheinenser wollte mit seiner Freundin bei der Loveparade feiern - und wurde Zeuge der Panik im Tunnel.
Die ersten Meschen wollen dem Hexenkessel entkommen. (Foto: dpa)
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"Wir sind um 14 Uhr durch den Tunnel gegangen und uns hatte ein Ordner schon gesagt, dass wir vielleicht nicht mehr reinkommen. Wir sind dann zu der Brücke hochgelaufen und haben uns das angeguckt, weil wir uns schon gewundert haben, wie das weitergehen soll", erzählt Niklas am Tag nach der Katastrophe.
Als es bereits brechend voll war, als schon Zäune umgerissen worden waren, sei plötzlich noch "ein kompletter Schwung Menschen" gekommen. Da sei ihm klar geworden, so der 19-Jährige, dass die Sache nicht gut gehen könne. Niklas berichtet von schlimmen Augenblicken: Die Menschen transportierten ein bewusstloses Mädchen über ihre Köpfe hinweg, während hinten die Masse weiter wuchs.
Erschütternde Szenen
"Das sah heftig aus. Die Leute haben sich geprügelt und sich mit den Zäunen gegenseitig umgeworfen", schildert der Schüler, den besonders eine Szene erschütterte: "Überall wollten die Leute irgendwo hochklettern, um raus zu kommen. Einer hing an einem Schild für Autofahrer an der Wand und in dem Moment, als ich das sah, wurde das Schild runtergerissen und der Junge ist in die Masse gefallen." Niklas hat ihn nicht wiederentdeckt.
Das ganze Ausmaß sei dem 19-Jährigen erst bewusst geworden, als ein Mädchen neben ihm über Handy erfuhr, was in den Medien berichtet wurde. "Da habe ich direkt zuhause angerufen und meinen Eltern gesagt, dass es mir und meiner Freundin gut geht." Doch Niklas' Eltern blieben trotzdem in panischer Sorge: Seine 17-jährige Schwester, mit einer Freundin ebenfalls auf der Loveparade unterwegs, war nicht zu erreichen. "Wir wussten nicht, wo sie ist und kamen zwei oder drei Stunden nicht an ihr Handy ran."
Schlimmes Gedränge
Heute ist die Familie dankbar, sind doch beide Kinder unversehrt nach Rheine zurückgekehrt: Niklas' Schwester war zum Unglückszeitpunkt direkt hinter der Masse, die in den Tunnel strömte, sah das schlimme Gedränge - und blieb stehen.
Später, auf dem Rückweg, verstanden die beiden Schüler dann das ganze Ausmaß des Grauens. "Auf dem Boden lagen Decken und meine Freundin hat mich gefragt, ob da wirklich Menschen liegen." Er selber habe das nicht glauben können und versucht, seine Freundin zu beruhigen. Doch dann brach die Realität herein: "Die Polizisten haben unter die Decken geguckt und Fotos gemacht", sagt der 19-Jährige erschüttert. Sofort machte sich das Paar auf den Weg zum Auto und konnte später noch die jüngere Schwester einsammeln, die eigentlich mit dem Zug hatte fahren wollen.
Gespräche mit Eltern
Am Sonntag dann versuchten Niklas und die beiden Mädchen, das Gesehene in Gesprächen mit ihren Eltern zu verarbeiten. Vergessen werden sie diesen schrecklichen Tag indes nie.













