Heeresflieger Rheine: Familie Keen: "Keine Idee, wie es weitergeht"
Rheine 118 Quadratmeter im Bauhaus-Stil, ein kleiner Garten und ein Carport: So sollte das Zuhause und die Zukunft von Familie Keen aussehen. Als aber am 26. Oktober 2011 verkündet wurde, dass der Bundeswehrstandort Rheine geschlossen wird, „fiel die Zukunft zusammen wie ein Kartenhaus“, sagt Heike Keen. Ihr Mann ist Berufssoldat.
»Ich will meiner Tochter sagen können, dass wir alles versucht haben.« Seitdem feststeht, dass die Theodor-Blank-Kaserne geschlossen wird, weiß Heike Keen nicht genau, wie es für sie und ihre Tochter weitergeht. Ihr Mann Stephan ist Berufssoldat und bislang in Rheine stationiert. (Foto: Habersack)
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Stephan Keen wurde in der Emsstadt geboren, wuchs nur 400 Meter entfernt von der Theodor-Blank-Kaserne auf. Von seinem Kinderzimmer aus konnte er die Lichter der Landebahn sehen. „Damals wurde vielleicht der Wunsch geboren, zur Bundeswehr zu gehen. Ich bin überzeugter Soldat“, sagt er. Mit seiner Frau Heike ist er seit 2008 verheiratet – vor zwei Jahren bauten sie das Haus, dann kam Tochter Emilie zur Welt. Es gab immer die Idee, vielleicht irgendwann ein zweites Kind zu bekommen, aber dann kam der 26. Oktober.
Man überlegt zweimal
„Seitdem steht alles in den Sternen. Wenn wir demnächst nur noch eine Wochenendbeziehung haben, überlegt man es sich zweimal, ob man noch ein Kind bekommt“, sagt Heike Keen. Sie kann sich noch genau an den Morgen des 26. Oktober erinnern. Ihr Mann Stephan war daheim, hatte zwei Monate Elternzeit. „Dann klingelte das Telefon bei der Arbeit. Stephan klang deprimiert als er sagte: ‚Die Kaserne wird geschlossen.‘ Ich bin ein optimistischer Typ und versuchte, ihn aufzumuntern. Erst nach dem Telefonat wurde mir klar, was passiert war.“
Heike Keen wirkt nachdenklich, als sie sagt: „Es war, als würde man uns den Boden unter den Füßen wegziehen.“
Sie wurde in Rheine geboren und wuchs in Wettringen auf. Alle Freunde von Heike und Stephan Keen wohnen hier in der Gegend, ihre Familien sind in der Region tief verwurzelt. Es stand immer fest, dass auch ihre Tochter Emilie hier aufwachsen soll. Seit dem Morgen des 26. Oktober steht nichts mehr fest.
Gewissheit zerschlagen
„Es war uns immer klar, dass Stephan mal für drei oder vier Jahre an einen anderen Standort versetzt werden könnte. Aber wir wussten, dass er danach zurück nach Rheine kommen könnte“, sagt Heike Keen. Diese Gewissheit wurde zerschlagen. Jetzt sitzen Heike und Stephan Keen vor einer Landkarte und sehen sich die Bundeswehrstandorte an. Nach Münster versetzt zu werden wäre wie ein Sechser im Lotto, alles andere sei zu weit entfernt, um täglich zu fahren. Sie wissen, dass sich etwas ändern wird. „Wir haben aber keine Idee, wie es genau weitergeht“, sagt Heike Keen und zuckt mit den Schultern.
„Ob wir was ändern können, weiß ich nicht. Aber ich würde nicht dorthin gehen, wenn ich keine Hoffnung mehr hätte“, sagt Heike Keen. „Ich möchte meiner Tochter später sagen können, dass wir alles versucht haben.“













