Karmann: Heftige Vorwürfe gegen den Betriebsrat
RHEINE In der Belegschaft des Karmann-Werkes Rheine gärt es. Im Betrieb tauchten jetzt Flugblätter ohne Absender auf, die den Betriebsrat heftig kritisieren. Dessen Mitgliedern wird vorgeworfen, geschlossen in der verbleibenden Fertigung des Renault-Verdecks weiterbeschäftigt zu sein. Offen wird gefragt, ob sich der Betriebsrat habe kaufen lassen.
Einig war sich die Belegschaft noch bei den Großdemonstrationen in Osnabrück (unser Bild) und in Rheine. Mittlerweile gärt es in Kreisen der Kollegen. (Foto: Huge sive Huwe)
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Starker Tobak aus den Reihen der Belegschaft.
Ulrich Wengel, Betriebsratsvorsitzender bei Karmann in Rheine, zeigte sich entsetzt über die Schrift. Er erklärte dazu auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Darstellung in dem Flugblatt ist falsch. Im Gegenteil: Um die Rest-Arbeitsplätze zu sichern, haben wir als Betriebsrat sogar zugestimmt, dass Betriebsratsmitglieder gekündigt werden dürfen, falls komplette Abteilungen geschlossen würden. Wir mussten uns dann von der Arbeitsagentur belehren lassen, dass dies für den betroffenen Kollegen eine zwölfwöchige Sperre nach sich zöge. Dem können wir aber nicht zustimmen. Wer kann schon drei Monate auf Geld verzichten?“
Das Gespräch gesucht
Als ihm am Donnerstag das Papier bekannt wurde, habe er sofort in der Belegschaft die Position des Betriebsrats dargestellt. „Das ist auch gut angekommen“, ist er sich sicher, dass die Argumentation des Betriebsrates ziehe. Wengel zeigte zwar Verständnis für den Frust bei vielen Mitarbeitern, doch für das Verhalten derjenigen, die jetzt das Flugblatt verteilten, fällt ihm nur eines ein: Das seien „Schmierfinken.“
Für Zündstoff sorgt mithin offenbar, nachdem die Eckpunkte verhandelt und bekannt gemacht worden sind, die Sozialauswahl für die verbleibende Cabrio-Fertigung. Doch sei diese, so unisono die IG Metall und auch Karmann-Sprecher Dr. Christian P. Eick, noch gar nicht erfolgt. Eick: „Das ist zu diesem Zeitpunkt noch verfrüht.“
Die Eckpunkte des Sozialplans seien zwar bekannt, heißt es auch im Flyer, doch blieben eben Fragen. Kritisch angemerkt wird in der Flugschrift, dass Karmann-Beschäftigte, die zum Fahrzeugbauer Krone wechseln wollen, bei der Zeitarbeitsfirma „Provis“ beginnen müssten.
Ziel: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Heinz Pfeffer, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Rheine, erklärte, dass die Gewerkschaft derzeit intensive bemüht sei, sich in dieser von Krone und Karmann initiierten Gesellschaft mit Sitz am Krone-Standort Spelle zu organisieren. Eine Betriebsversammlung habe es gegeben, ein Wahlvorstand sei gebildet, Betriebsratswahlen geplant. Pfeffer: „Unser Ziel ist klar: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“
Das Flugblatt endet pessimistisch: „Wem können wir ,normalen‘ Mitarbeiter vertrauen? Der Geschäftsführung, die nur ihren Vorteil sucht, oder dem Betriebsrat, der aufgrund seiner Zustimmungen und der eigenen Vorteilsnahme auch Vertrauen verspielt? Vielleicht sind wird doch die verkaufte Belegschaft.“













