Theater: Moritz Nikolaus Koch spielt einen sensationellen „Werther“
RHEINE „Die Leiden des jungen Werthers“ mit einem überzeugend agierenden Moritz Nikolaus führte das „Theater für Niedersachsen“ am Donnerstagabend in der Stadthalle auf. Das Ensemble erntete am Ende Standing Ovations.
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Ist denn das erlaubt? Einfach hinzugehen und die Welt-Epik für das thematisch offenbar notleidende Theater von Roman und Drama umzustöpseln? Laut Goethe: Ja! Der sagt, es sei unmöglich, die Gattungen zu definieren.
„So sind wir genötigt, sie zu vermischen“. Ohne vor diesem Goethezitat stramm zu stehen, unterzog sich das „Theater für Niedersachsen“ am Donnerstagabend in der Stadthalle dieser diffizilen Prozedur mit Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“. Und der Theaterfreund und Kritiker hat hier keine andere Aufgabe, als nachzuspüren, ob dabei Spielbares herausgekommen ist. Ob Theater daraus geworden ist und die Szene bedient wurde. Um es vorweg zu sagen, sie wurde. Und wie!
Leichtfüßigkeit auf der karg möblierten Bühne
Der Abend beginnt verblüffend. Während noch fast alle Augen auf die karg möblierte Bühne gerichtet sind, turnt sich ein modern gekleideter Jüngling mit Rucksack durch die vollbesetzten Zuschauerreihen. Leichtfüßig entert er die Bühne, kramt ein Reklame-Heftchen aus dem Rucksack, hält es ins vorwiegend jugendliche Publikum: „Kennt ihr das?“ – „ Die Leiden des jungen Werthers!“
Und dann beginnt die 80-minütige Sensation dieses Abends mit dem ebenso langen Monolog des Moritz Nikolaus Koch. Vergleichbares ist keinem Kritiker nach hunderten von Vorstellungen nur einmal untergekommen: 1958 mit Klaus Kammers „Bericht an eine Akademie“ am Berliner Schulter Theater, der Nachkriegstheatersensation schlechthin.
Resolut und sicher an die Grenzen gegangen
Auch Moritz Nikolaus Kochs Werther-Darstellung ist ein extremer Schauspielakt ohnegleichen. Resolut und sicher geht er bis an die Grenzen der Vorstellung. Die Alleindarbietung zwischen Lachen und Gänsehaut lässt keinen Moment nach.
Von der ersten Sekunde an bereitet Koch das unausweichliche Dilemma vor. Aussehend wie ein Apoll von den Kanarischen Inseln, scheinbar selbstsicher und federnd, ist er doch zugleich unsicher, immer auf der Hut, hin und her gerissen in der aussichtslosen Liebe zu Charlotte wie das berühmte Schilfrohr.
Eng an Goethe-Vorlage gehalten
Von Moritz Nikolaus Koch werden wir mit Sicherheit noch hören! Die Einrichtung dieses Briefromans für die Bühne hat Regisseur Gero Vierhuff vorgenommen. Er hat sich eng an die Goethe-Vorlage gehalten.
Nur einige wenige Zitate der Gegenwart (Schreibmaschine, Mikrofon, Musikglückwunschkarte) genügten, den „Werther“ in die Neuzeit zu transportieren. Das Publikum dankte mit minutenlangem Beifall, vielen „Bravos“ und Standing Ovations


















