Ehepaar hilft: Versunken im heillosen Chaos
RHEINE Von einem verstorbenen Drogensüchtigen hatte die junge Frau die Wohnung übernommen. Psychisch krank und labil, war sie kaum in der Lage, für sich zu sorgen. Ein Ehepaar aus dem Bekanntenkreis half ihr in der Not - von den Behörden fühlte sich das Paar dabei im Stich gelassen.
- Feuer in Mesum Funkenschlag entzündet Absauganlage
- 50 Tiere elend verendet Schweine gequält: Bauer verurteilt
- FC Eintracht Rheine Es hat Knack gemacht: Dieckmann muss pausieren
- Deutsche Meisterschaft Dreisprung Franziska Kock will diesmal ins Finale
- SV Mesum Test gegen den SuS kommt noch etwas zu früh
Eigentlich wollte das Ehepaar nur die Haustiere der jungen Frau in Obhut nehmen, nachdem diese eingesehen hatte, dass sie Hilfe braucht und sich in die LWL-Klinik einweisen ließ. Doch was ihnen dann entgegenschlug, ließ alle Alarmglocken schrillen: "Als wir die Tür aufgemacht haben, kamen uns schon Massen von Fliegen entgegen. In der Wohnung konnte eigentlich kein Mensch leben. Da war überall Ungeziefer, verschimmeltes Essen in der Badewanne und sie hat kein Bett, keinen Herd, keine Spüle", schildert der Rheinenser die katastrophalen Zustände, in denen die 31-Jährige hauste. Nur aufgrund der Zivilcourage des Paares kann die psychisch Kranke die Wohnung mittlerweile wieder nutzen.
Notfall geschildert
Beim Gesundheitsamt, sagt das Paar, habe man keine Hilfe erhalten: "Ich habe betont, dass es ein Notfall ist und jemand da mal vorbei fahren soll, um sich zu kümmern", sagt die Helferin und ist erbost, dass man von Amtsseite "totales Desinteresse" signalisiert habe.
Dem wiederspricht Hans-Dieter Hartmann vehement. "Wir hatten keine Handhabe, da uns die Anruferin den Namen der Erkrankten nicht sagen wollte", sagt der Sachgebietsleiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Steinfurt. Die Rheinenserin gibt das auch zu. Sie wollte die junge Frau "nicht reinreiten", erst mit ihr Rücksprache halten.
Eine komplizierte Situation für alle Seiten, da die Helfer nichts falsch machen wollten und der Sozialpsychiatrische Dienst nicht sofort handeln konnte. "Das ist unglücklich gelaufen und wir setzen uns gerne mit den Personen zusammen", so Hartmann, der aber auch anmerkt, dass die junge Frau keine Hilfe in Anspruch nehmen wollte.
Unterstützung in Aussicht gestellt
"Die LWL-Klinik hat die Unterstützung durch eine gesetzliche Betreuung in Aussicht gestellt. Krankenhäuser haben eine Fürsorgepflicht, es wird niemand in unklare Wohnverhältnisse entlassen."
Es sei denn, der Patient wünscht keine gesetzliche Betreuung - denn für viele ist dies gleichbedeutend mit Entmündigung. "Absolut nicht", sagt Hartmann. Der Betreuer stehe beispielsweise bei der Entrümpelung oder Schuldenregelung zur Seite. Die geschilderte Art der Entmündigung gebe es schon seit 1992 nicht mehr. Doch das hat die junge Frau, die mit ihrem Leben heillos überfordert ist, nicht gewusst - und das Angebot abgelehnt. Also nahm das Paar die Frau nach ihrer Entlassung vorübergehend bei sich auf, kümmerte sich mit Freunden sogar um die Messie-Wohnung. "Wir haben es gern getan", sagt der Ehemann. Allerdings: "So darf das in einem Sozialstaat nicht laufen!"
Gezielt Hilfe
Zumal niemand absehen kann, ob die psychisch labile Frau ihre Wohnung, und damit auch ihr Leben, im Griff behält. Doch da bietet Hartmann nun gezielt Hilfe an: "80 Prozent unserer Arbeit sind Hausbesuche." Der sollte nun auch bei der 31-Jährigen erfolgen, damit die kranke Frau nicht noch weiter durch das soziale Netz rutscht.













