Villa K.: WG-Zimmer für Senioren mit Anschluss
Rheine 100 Jahre ist die Greisin alt, eigentlich schon einhunderteinhalb. Das Foto von der Geburtstagsfeier im Garten bei strahlendem Sommerwetter steht auf der Anrichte. Eine Bettlänge entfernt ist die Seniorin aus ihrem Mittagsnickerchen erwacht. Die Hundertjährige wohnt in einer WG, einer Wohngemeinschaft. Nur zwei solcher Einrichtungen gibt es in der Stadt.
Mittelpunkt des Hauses ist die große Wohnküche, an dem in der Zeit der Mittagsruhe auch Angehörige der WG-Bewohner und die Betreuerinnen Zeit für eine gemeinsame Tasse Kaffee finden. Agnes Huntriesers (l.) Schwiegermutter hatte sich bis zu einer schweren Erkrankung in der WG eingemietet., betreut schon damals von Conny Reinert (m.) und der Vermieterin der Wohngemeinschaft für Senioren, Karin Rüter-Schöer (r.). (Foto Dieter Huge sive Huwe)
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Eine von ihnen ist an der Hemelter Straße. "Villa K." steht auf dem Stein neben dem Haus, das auf den ersten Blick ausschaut wie viele Zweifamilienhäuser in der Stadt. Es ist vielleicht etwas größer, fällt aber eigentlich nicht auf.
Das Schild an der Klingel, in dem die Bewohner um die Respektierung der Mittagsruhe bitten, zeigt an, dass die Villa K. aber eben kein ganz gewöhnliches Wohnhaus ist. Sieben Frauen zwischen 80 und 100 Jahren leben hier zusammen, haben sich eingemietet bei Karin Rüter-Schröer. Oder wurden eingemietet, denn die meisten hier in der Villa K. leiden an Demenz. Es sind in der Regel die letzten Jahre des Lebens, die sie hier gemeinsam verbringen.Eine klassische WG ist es also nicht, aber auch nicht eine klassisches Heim für ältere, pflegebedürftige Menschen. Karin Rüter-Schröer und acht weitere Betreuerinnen kümmern sich um die derzeit sieben Menschen in der WG. Aktuell sind ausschließlich Frauen in der Gemeinschaft. Der einzige Mann, der in der Villa ein Zimmer gemietet hatte, starb vor zwei Wochen.
Seit fünf Jahren gibt es die Villa K. "Wir versuchen, den Menschen hier ein ganz normales Leben zu ermöglichen, quasi in einer Großfamilie, so wie es früher war", schildert Conny Reinert, die an diesem Tag den Betreuungsdienst macht, den Ansatz der WG.Gemeinsam altern in einem kleinen, überschaubaren Rahmen, das wollen die Bewohnerinnen oder deren Angehörige, die in der Regel durch Mundpropaganda auf die Villa K. aufmerksam werden. Zumeist sind es die Kinder, die in der Villa den Ort finden, an dem sie ihre Eltern aufgehoben wissen.
Fast alle WG-Bewohner haben eigene Möbel in ihren Zimmern, einige brauchen aber auch ein Pflegebett. Ein Treppenlift überbrückt den Weg zwischen den WG-Zimmern im Obergeschoss und den Tagesräumen im Parterre.Gekocht wird frisch vor Ort, gegessen in der Regel gemeinsam. Der geregelte Tagesablauf ist ganz wichtig. Doch auch Fahrten in die Stadt, zu Geschäften oder gemeinsame Spiele gehören zum WG-Alltag. Ein Höhepunkt der letzten Zeit war der Krippen-Besuch in der Krypta der Basilika. Und alle vier Wochen wird die Messe gefeiert - in der Villa, mit einem Diakon von Herz Jesu.
Agnes Huntrieser, deren Schwiegermutter bis zu einer schweren Erkrankung ebenfalls in der Villa K. wohnte, ist vom Konzept überzeugt. Und das schließt auch das Gespräch mit den Angehörigen der WG-Bewohner bei einer Tasse Kaffee mit ein.













