Kremer-Haus beherbergt Obachlose: Warmes Bett statt "Platte"
RHEINE Erfroren ist hier in Emsstadt noch keiner. Bei den derzeit herrschenden zweistelligen Minustemperaturen tauschen aber viele Obdachlose den gewohnten Schlafplatz in einer Passage oder Tiefgarage lieber gegen ein Bett im Kremer-Haus. Hier finden sie einen warmen Platz, ein schützendes Dach über dem Kopf.
Sozialarbeiter Markus Besta (r.) kümmert sich zusammen mit seiner neuen Kollegin Anna Kaleschke und Hausmeister Reinhard Sadlak um Obdachlose. (Foto: Hiller)
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Nur einen Steinwurf von der Stadthalle entfernt an der Humboldtstraße 25 liegt die städtische Einrichtung, deren Tür rund um die Uhr für alle geöffnet ist, die "Platte machen", wie man im Milieu sagt. OFW lautet der Eintrag im Ausweis - ohne festen Wohnsitz.
Freie Entscheidung
"Bei diesen Temperaturen darf hier keiner vor verschlossener Tür stehen", betont Markus Besta. Der Sozialarbeiter kümmert sich zusammen mit seiner neuen Kollegin Anna Kaleschke und Hausmeister Reinhard Sadlak darum, dass Obdachlose nicht hilflos der beißenden Kälte ausgesetzt sind.
Der erfahrene Streetworker kennt seine Pappenheimer und ihre bevorzugten Aufenthaltsorte. "Ich versuche sie zu überreden, die Schlafmöglichkeiten bei uns im Haus zu nutzen", berichtet er. "Aber zwingen kann man keinen; es bleibt deren freie Entscheidung."
Komplette Küche
Am Mittwoch noch hat Besta zwei Obdachlose aus Lettland auf der Emsbrücke angesprochen und ihnen Unterkunft angeboten. Vergeblich, sie kamen nicht.
Die meisten Obdachlosen nehmen das Angebot im Kremer-Haus allerdings bereitwillig an. "Die kennen und schätzen unser Haus". Hier finden die Gäste eine komplett eingerichtete Küche, in der sie sich selbst etwas zu essen kochen können. Gelegentlich wird auch schon mal gemeinsam gekocht - Bratkartoffeln mit Wurst beispielsweise. Finanziert wird das aus der Spendenkasse, die den Mitarbeitern im Kremer-Haus unbürokratische Ausgaben "außer der Reihe" erlaubt. Einmal in der Woche gibt's ein kostenloses Frühstück.
Kleiderkammer
Aus der Spendenkasse werden auch schon mal im Bedarfsfall die Praxisgebühr für einen Arztbesuch oder Medikamente bezahlt. Und wer noch schützende Kleidung gegen die Eiseskälte sucht, wird im Keller des Hauses fündig. Hier gibt's eine Kleiderkammer mit gespendeten Sachen - selbst gestrickte Socken, Schals und Handschuhe stehen zurzeit hoch im Kurs.
Besonders froh ist Besta über die gute Vernetzung von Hilfseinrichtungen in Rheine. "Uns ruft öfters die Bahnhofsmission an, wenn Leute Unterschlupf suchen", berichtet der Sozialarbeiter. Oder die Obdachlosen melden sich selbst per Telefon: "Haste 'n Bett für mich frei?"













