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Eine Nachfolgerin für Sylvia Schülke als Wirtin des »Reichs« ist gefunden. (Foto: Bernd Paulitschke)
Um 10.30 Uhr am Vormittag ist das „Reich“ leer. Sylvia Schülke sitzt alleine am Tresen und wartet auf mich. Nein, müde sei sie nicht. „Ich war heute morgen schon beim Sport, ich schlafe eh nie viel“, erzählt die Wirtin.
Ob sich das im April ändern wird? „Wahrscheinlich nicht“, schätzt sie. Doch im April wird sich das Leben der 42-Jährigen, die seit zwölf Jahren „Im Reiche des Wassers“ hinter der Theke steht, radikal ändern.
Nachfolge ist geregelt
Am 31. März verlässt sie die Kultkneipe. Ihre Nachfolge ist geregelt. Ob es genauso wie bisher weiter geht oder anders, weiß sie nicht. „Ist ja auch nicht meine Sache.“ Fest steht, Sylvia Schülke bleibt in der Wohnung über der Kneipe wohnen.
Sechs Jahre war sie selber Chefin, hatte als Kellnerin die Wirtschaft übernommen. Rund 80 Bands rockten in ihrer Zeit den kleinen Saal. Manchmal drei an einem Abend. Am vollsten war es immer, wenn die heimischen Musiker spielten. Die Bands von weiter weg hatten es stets schwer.
Gaststätte der Eltern
Seit Sylvia 13 Jahre alt ist, arbeitet sie in der Gastronomie. Am Anfang aushilfsweise in der Gaststätte ihrer Eltern in Bad Sassendorf. Später lernt sie Restaurantfachfrau, um dann eine Lehre als Reiseverkehrskauffrau anzuschließen. Als sie 1992 der Liebe wegen nach Schwerte zieht, will sie nicht wieder kellnern. Schließlich hat sie einen Job am Flughafen. Doch dann lässt sie sich überreden, als Kellnerin auszuhelfen. Und schon bald kellnert sie wieder regelmäßig.
Auf dem Weihnachtsmarkt sprach sie Ernst Montenbruck, der damalige Wirt des Reichs an, ob sie nicht in sein Team kommen wolle. Sie wollte und ist seitdem in Schwertes ältester amtierender „Jugendkneipe“ tätig.
„Das Wichtigste am Geschäft sind die Stammkunden“, schätzt sie. Doch auch mit denen werde es immer schwieriger. Vor allem mit einer reinen Bierkneipe. „Wenn jetzt noch das absolute Rauchverbot kommt, wird es noch schwerer.“ Das sagt jemand, der selber nicht raucht.
Mit 50 hinterm Tresen?
Eigentlich ist ihr Vertrag für das Reich bereits am 31. Dezember ausgelaufen. Einen neuen wollte sie sich nicht ans Bein binden. „Ob ich mit 50 noch hinter der Tresen stehen will? Keine Ahnung.“ Dass sich mit Ulrike Suhrkamp so schnell eine Nachfolgerin gefunden hat, die ihr noch drei Monate gewährt hat, um alles zu regeln, findet sie gut.
Und was ist danach? „Am schönsten wäre es, wenn ich wieder einen Job im Reisebüro finden würde.“ Und in Sachen Freizeit? „Ich wohne ja immer noch direkt über dem Reich.“
Zum Abschluss am 30. und 31. März lässt sie es noch einmal so richtig krachen. Mit Orange but Green, Halber Liter, den Starfuckers und Stefan Bauer treten am Abschiedswochenende die Bands auf, die sie mag und deren Mitglieder sie auch kennt.