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Das Mitleid in den Augen der anderen
RHEINE Emma hat wieder 150 Gramm zugenommen. Mama Anna ist glücklich darüber, denn ihr zwölf Wochen altes Baby trinkt nur drei Fläschchen am Tag.
Bilder:
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| Emma ist ein kleiner Sonnenschein. Sie kommt in die Sprechstunde von Mechtild Linnenschmidt, weil sie zu wenig Milch trinkt. Das kleine Foto zeigt viele glückliche Babys, die mit Hilfe der Praxis »Die Hebammen« auf die Welt gekommen sind. |
Mechthild Linnenschmidt ist die einzige selbstständige Mütter- und Stillberaterin im Kreis Steinfurt, die beim Gesundheitsamt gemeldet ist. Zudem ist sie seit zehn Jahren Schreibaby-Therapeutin. In Rheine ist sie die Einzige.
Am eigenen Leib
Vor 23 Jahren hat Mechthild Linnenschmidt am eigenen Leib erfahren müssen, wie es ist, ein Schreibaby zu haben. Ihr Sohn Alexander schien sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Nichts konnte ihn beruhigen. "Ich bin von Kinderarzt zu Kinderarzt gerannt, doch keiner konnte mir helfen", erinnert sie sich. Sie weiß noch genau, wie unfähig sie sich als Mutter fühlte. Wie andere Menschen mitleidig in den Kinderwagen blickten, in dem das weinende Baby lag. An ihre Schweißausbrüche, wenn der kleine Kerl nur das Gesicht verzog - weil sie wusste, gleich geht es wieder los. Heute hilft Mechthild Linnenschmidt Müttern, die in der gleichen Situation stecken wie sie damals. "Wichtig ist, dass man die Frauen in dieser Situation nicht allein lässt, dass man sie betreut, berät und ernst nimmt."
Es gibt eine Formel, nach der Kinderärzte entscheiden, ob es sich um ein Schreibaby handelt oder nicht: Wer drei Tage in der Woche länger als drei Stunden am Stück schreit und das über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen, ist als Schreibaby zu betrachten. Mechthild Linnenschmidt hält die Formel für Quatsch. Sie macht es abhängig vom Empfinden der Mutter: "Wenn sie sagt, dass Baby ist ein Schreibaby, dann ist das für sie auch so. Und dann benötigt sie Hilfe." Meistens besteht zu dem Zeitpunkt bereits eine Kommunikationsstörung zwischen Mutter und Kind. "Viele Mütter legen ihr Baby dann ins Bettchen, wenn es gut drauf ist. Weil sie denken, jetzt kann ich einen Moment durchatmen." Doch was sie dabei vergessen ist: "Das Baby lernt, dass es auf den Arm kommt, wenn es schreit, und dass es weggelegt wird, wenn es gut drauf ist." Zudem verpasst die Frau einen der wenigen schönen Augenblicke mit ihrem Baby. Nämlich den, in dem das Kleine sie - endlich einmal - anlächelt. Ruhe bewahren - so lautet das oberste Gebot. Ganz schön schwierig, wenn das Baby weint und weint und weint. "Die Mutter sollte das Kleine einfach mal in sein Bettchen legen, in ein anderes Zimmer gehen und sich eine Pause gönnen", sagt Mechthild Linnenschmidt. Länger als fünf bis sieben Minuten hält das sowieso keine Frau aus, denn sie will ihrem Baby ja helfen. "Die paar Minuten schaden dem Kind nicht", versichert die Expertin. Eines müssen sich alle Frauen klar machen, deren Baby stundenlang schreit: "Es sind die äußeren Umstände. Das Baby hat eine Regulationsstörung. Ihm ist die Welt zu bunt, zu laut, zu grell."
Mütter und Stillberaterin
Um Mütter- und Stillberaterin werden zu können, muss man einen pädagogischen oder medizinischen Beruf erlernt und mindestens ein Kind haben. Mechtild Linnenschmidt ist gelernte Arzthelferin und hat drei erwachsene Kinder. Eine Mütter- und Stillberaterin berät Frauen bei allen Themen, die sich um das Stillen, um Flaschennahrung und Beikost drehen. Sie gibt Tipps zum Schlafverhalten des Kindes und unterstützt Eltern so genannter Schreibabys. Zweimal in der Woche, montags und donnerstags, hält Mechtild Linnenschmidt ihre Sprechstunde in der Praxis „Die Hebammen“ an der Kolpingstraße 4 ab. Telefonisch zu erreichen ist sie unter (05971) 9 48 15 07 oder 91 42 44.
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