Im Bundestag: Die Kinderreporter in der Bundeshauptstadt
STEINFURT / BERLIN Am Donnerstagmorgen scheuchen uns unsere Wecker schon um eine ungewohnte Uhrzeit – genau um 5 Uhr – aus den Betten. Denn vor uns liegen nicht zwei Schultage, sondern zwei Tage Berlin.
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Doch als wir die Treppe erklommen haben, erstrahlt direkt vor uns der prachtvolle, überwältigende Anblick des Reichstages. Schnell ein paar Fotos geschossen und schon gelangen wir abseits der üblichen Warteschlangen durch einen Besuchereingang in den Bundestag. Allmählich steigt unsere Aufregung. Allerdings bleibt nicht viel Zeit darüber nachzudenken, denn schon müssen wir durch die Sicherheitskontrolle.
Rede von Ursula von der Leyen
Wenige Minuten später werden wir im ersten Stock von einem Mitarbeiter über die Verhaltensregeln aufgeklärt und auf die Besuchertribüne des Plenarsaals geführt. Sofort dringt eine uns bekannte Stimme an unsere Ohren: Ursula von der Leyen spricht! Da wir diese Politikerin nur aus dem Fernsehen kennen und nun live erleben, steigt in uns ein unbeschreiblich großes Gefühl auf.
In diesem Augenblick realisieren wir erst, wo wir uns befinden. Schon sticht uns Guido Westerwelle mit orangefarbener Krawatte ins Auge. Der große Stuhl neben ihm, auf dem „Angie“ Merkel gewöhnlich Platz nimmt, bleibt zu unserer großen Enttäuschung leer. Die weitere Debatte können wir verfolgen, verstehen können wir sie leider nicht.
Parteien fassen sich nicht mit Samthandschuhen an
Unsere Blicke in die Reihen lassen uns erschrecken: Einige Abgeordnete schreiben SMS, telefonieren oder laufen durch den Saal und unterhalten sich mit anderen Politikern. Während der Reden hat es den Anschein, dass sich die einzelnen Parteien nicht gerade mit Samthandschuhen anfassen und Beifall gibt es aus einer gegnerischen Fraktion erst recht nicht. Nach 45 Minuten müssen wir den Plenarsaal schon wieder verlassen, da auch unser Zeitplan eng gesteckt ist...
- Mit der Steinfurter FDP-Bundestagsabgeordneten Claudia Bögel sprachen die Kinderreporter Carolin Höfker und Lena Kromrei:
Bögel: Jede Menge! Ich bin noch immer Ortsvorsitzende der FDP in Steinfurt und als Mitglied des Stadtrates sehr aktiv tätig.
Ist es ein großer Unterschied, hier oder in Steinfurt politisch zu arbeiten?
Bögel: Ja, auf jeden Fall. Hier in Berlin herrscht eine ganz andere Tagesstruktur. Man muss seinen Tag selber strukturieren, sonst läuft man Gefahr, von 8 bis 23 Uhr durchzuarbeiten. Am Vormittag tagen Arbeitsgemeinschaften, Aarbeitskreise, das Bundestagsplenum und die Ausschüsse. Am Nachmittag stehen Fraktionssitzungen und Termine mit Fachberatern an, und abends wird erwartet, dass ich bei Veranstaltungen präsent bin. Ich könnte hier in Berlin gut ein Double gebrauchen.
Bögel: Ja sehr. Hier herrscht eine wunderbare und offene Demokratie. Alle Bürger sind berechtigt, dieses zu erleben und zwar ohne Einschränkung.
Wie oft treffen Sie Frau Merkel?
Bögel: Ich treffe die Bundeskanzlerin wöchentlich. Kürzlich habe ich mich mit ihr unterhalten. Ich finde, sie ist eine sehr warmherzige und offene Person. Wenn sie lächelt, hat sie sehr süße Grübchen.
Wie lange hat man Zeit, seine Junfernede vorzubereiten?
Bögel: Es kann sein, dass ein Thema aus meinem Fachbereich zur Diskussion stehen wird. Dann bleibt vielleicht nur ein halber Tag Zeit. Üblich ist es, dass alle Fraktionsmitglieder bei der Jungfernrede eines Kollegen im Plenum anwesend sind. Usus ist es, dass nach dieser Rede alle Fraktionen applaudieren und zur bestandenen Feuertaufe gratulieren.



















